14 Nothelfer - Leben und Wirken

ACHATIUS

Darstellung:
Achatius von Armenien als römischer Legionär, mit Dornenkrone oder Dornenbusch
Kirchenlexikon
ACHATIUS (Agathius, Acacius), Märtyrer, Heiliger, einer der 14 Nothelfer. - A. stammte aus Kappadozien und war Hauptmann im kaiserlichen Heer. Er wurde nach grausamen Martern 303/304 in Konstantinopel unter Maximian hingerichtet. - Fest: 7. Mai.


ÄGIDIUS

Darstellung:
Einsiedler, teilw. in Höhle, mit Pfeil und Hirsch
Kirchenlexikon
ÄGIDIUS, Heiliger, einer der 14 Nothelfer, † um 720. - Ä. war angeblich eine Zeitlang Einsiedler in der Provence und wurde dann Abt eines von ihm gegründeten Klosters, bei dem die nach ihm genannte Stadt St. Gilles bei Arles entstand. - Da die Urkunde Benedikts II. für sein Kloster vom 26.4. 685 (nach Jaffé 2127) unecht ist, läßt sich nichts Sicheres über Ä. sagen. Seit dem 9. Jahrhundert wird er als Heiliger verehrt und ist Patron der stillenden Mütter, weil in der Einöde ihm eine Hirschkuh Milch gespendet hat, wie die Legende erzählt, die aber auf den Namen des Heiligen (griech. aix = Hirschkuh) zurückgeht. - Fest: 1. September.


BARBARA

Darstellung:
Barbara vornehm gekleidet, mit Kelch und Hostie, evtl. mit Schwert
Kirchenlexikon
BARBARA, Heilige. - Das wohl nach 520 in Oberitalien aus alten Quellen entstandene, etwa 6000 Namen umfassende Märtyrerverzeichnis der gesamten Kirche, das »Martyrologium Hieronymianum«, kennt B. nicht. Nicht einmal das in einer Handschrift des Jahres 411/12 erhaltene »Martyrologium Syriacum«, das Verzeichnis der Märtyrer des Orients, weiß etwas von B. und ihrem Martyrium. Auch in dem »Martyrologium Bedae« aus dem Anfang des 8. Jahrhunderts fehlt ihr Name, während das ungefähr derselben Zeit entstammende »Martyrologium Romanum parvum oder vetus« über sie berichtet. Der in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts lebende byzantinische Hagiograph Symeon Metaphrastes bietet in seiner Legendensammlung zuerst die abgeschlossene Barbaralegende (MPG 116, 301 ff.). Zeit und Ort ihres Martyriums werden in den Märtyrerverzeichnissen und Heiligenlegenden verschieden angegeben: entweder 235 unter Maximinus Thrax in Nikomedien oder 306 unter Galerius in Heliopolis (Ägypten). Die Legenden berichten aber übereinstimmend: B.s Vater habe seine Tochter, weil sie Christin geworden sei, dem Richter angezeigt. Da sie aber trotz aller Marter standhaft blieb, habe der Vater selbst B. enthauptet und sei zur Strafe dafür an der Stätte der Hinrichtung vom Blitz erschlagen worden. - B. zählt zu den 14 Nothelfern und wird zum Schutz gegen Blitz- und Feuersgefahr angerufen. Sie ist die Patronin der Artillerie und der Bergleute und ihr Gedächtnistag der 4. Dezember.


BLASIUS

Darstellung:
Blasius von Sebaste als Bischof mit Kerze(n), evtl. mit Wolf und/oder Schwein, dargestellt
Kirchenlexikon
BLASIUS, Bischof von Sebaste (Armenien), Märtyrer, Heiliger, † angeblich 316 in der Christenverfolgung unter Licinius, wahrscheinlich aber unter Diokletian. - B. wurde mit einem eisernen Kamm zerfleischt und dann enthauptet. Noch im Kerker - so berichtet die Legende - hat er an verschiedenen Kranken seine wunderbare Heilgabe erfolgreich ausgeübt, u. a. auch an einem Knaben, der wegen einer verschluckten Fischgräte dem Ersticken nahe war. B. ist einer der volkstümlichsten Heiligen, einer der 14 Nothelfer, Schutzpatron gegen Halsübel. An seinem Gedenktag wird der B.-segen mit eigener Benediktionsformel erteilt, während man zwei geweihte Kerzen in Form des Andreaskreuzes vor den Hals hält. Die Reliquien des B. kamen nach Paris, St. Blasien (Schwarzwald) und Ragusa (Dalmatien). Fest: 3. Februar, bis zum 11. Jahrhundert 15. Februar, im Orient 11. Februar.


CHRISTOPHORUS

Darstellung:
wohl mit am bekanntesten - mit Baumstamm oder Ast in der Hand und dem Jesuskind auf den Schultern
Kirchenlexikon
CHRISTOPHORUS, Märtyrer, der volkstümlichste Heilige des Morgen- und Abendlandes, einer der 14 Nothelfer. - Das ältestete Zeugnis der Verehrung des C. ist eine Inschrift über die Deposition von Reliquien in der 452 geweihten C.-Kirche in Chalkedon (Bithynien). Nach der "Passio", deren älteste Handschriften aus dem 8. Jahrhundert stammen, hieß er Reprobus und war ein menschenfressender Kynekephale (Hundsköpfiger) von Riesengröße. Er kam nach Samos in Lykien, empfing vor der Stadt auf wunderbare Weise die Taufe, bei der sein Name in C. umgewandelt wurde, und durch Gottes Gnade die menschliche Sprache. C. wirkte als Missionar Wunder und bekehrte sehr viele. Darum wurde er festgenommen. Der König ließ ihn in den Kerker werfen und schickte zu ihm zwei Dirnen, die ihn verführen und vom Glauben abwendig machen sollten, aber durch ihn bekehrt wurden. Da versuchte der König, ihn durch furchtbare Marter zum Abfall zu bewegen, erreichte aber nichts und ließ ihn darum enthaupten. - Die "Passio" wurde im 13. Jahrhundert auf deutschem Boden durch die Christusträger-Legende erweitert. Danach zog der Riese Offerus aus der Heimat, weil er dem größten Herrn dienen wollte. Er trat darum in den Dienst eines Königs, der als der mächtigste der Welt galt. Offerus aber erkannte, daß der König den Teufel fürchtete, verließ ihn und begab sich in den Dienst des Teufels. Als dieser dem Kreuz ängstlich auswich und ihm auf seine Frage gestand, er fürchte sich vor Christus, dem Gekreuzigten, verließ Offerus den Teufel, um Christus zu suchen und ihm zu dienen. Er traf einen Einsiedler, der ihm erklärte, Christus sei der höchste König, dem er am besten dienen könne, wenn er die Leute über einen gefährlichen Fluß heil hinüberbringe. Offerus baute sich eine Hütte nahe an der Übergangsstelle des Flusses. In einer Winternacht hörte er dreimal jemanden bitten, ihn über den Fluß zu tragen. Offerus fand einen kleinen Knaben, nahm ihn auf seine Schultern, ergriff seinen Stab und stieg in den Fluß. Doch das Kind wurde zu einer gewaltigen Last. Der Strom schwoll mächtig an und ging über ihn hinweg, während das Kind ihn taufte und ihn "Christophorus" (= "Christusträger") nannte. Am Ufer angekommen, gab sich der Knabe als Jesus Christus zu erkennen. - Der 1298 in Genua verstorbene Dominikaner Jacobus a Voragine hat die Christusträger-Legende in seine Sammlung "Legenda sanctorum" aufgenommen, die als "Legenda aurea", auch in mehrere Sprachen übersetzt, ein spätmittelalterliches Volksbuch wurde. So gelangte die C.-Legende zur größten Volkstümlichkeit. Der christustragende Riese hat seine früheste und weiteste Verbreitung in Kärnten, Tirol, Graubünden und den angrenzenden Alpenländern gefunden. Vom 15. Jahrhundert an wird der Riese mit dem Kind auf der Schulter, wie er den Fluß durchwatet, während der Einsiedler am Ufer mit der Laterne in der Hand steht, unzähligemal dargestellt. - C. ist Patron des Verkehrs, der Schiffer, Flößer Fährleute, Seeleute, Pilger Reisenden, Kraftfahrer, Luftschiffer, Lastenträger, Zimmerleute, Buchbinder, Färber, Hutmacher, Gärtner, Obsthändler, Äpfel, hoffenden Frauen, Kinder; gegen jähen Tod, Pest, Wassergefahren, Unwetter, Hagelschlag, Hungersnot, Widerwärtigkeiten, Wunden, Zahnweh; der Furten und Bergstraßen. Sein Fest ist der 25. Juli, bei den Griechen der 9. Mai, Armeniern 14. Juli, Kopten 3. August, Jakobiten und Melchiten 7. und 27. April.


CYRIACUS

Darstellung:
Cyriakus von Rom Diakon mit Buch, Palme, Schwert, evtl. mit gefesseltem Drachen
Kirchenlexikon
CYRIACUS: hl. Märtyrer in Rom, gest. um 304, Fest: 8.8. - Er wird in der Depositio Martyrum des Chronographen von 354 mit einer Gruppe von 5 Gefährten erwähnt: »et Ostense VII ballistaria Cyriaci Largi Crescentini Memmiae Iulianetis et Ixmaracdi«. Nach dieser Auskunft befand sich also sein Grab an der Via Ostiensis, an der »7. ballistaria«, nach A. P. Frutaz »bei dem zur Verteidigung des Tiber errichteten 7. Kasernenstützpunkt.« - Und in der Tat, wie A. P. Frutaz zu berrichten weiß, kam 1915 am 7. Meilenstein der Via Ostiensis ein kleiner Landfriedhof ans Licht, den schon A. Bosio am 4. Mai 1607 erwähnte. Hier hat Papst Honorius I. (gest. 658) auch eine kleine Kirche errichten lassen. - Von C. und seinen Gefährten sind nur die Namen erhalten. Im 9. und 10. Jh. wurden ihre Reliquien in die Stadt gebracht. Ein Teil soll in den Titulus des Marcellus gebracht worden sein. Unter Otto d. Gr. kam eine Armreliquie nach Bamberg, andere Reliquien gelangten schon 874 nach Neuhausen bei Worms. Zur Verehrungsgeschichte des C. und seiner Gefährten bemerkt A. P. Frutaz: »Der hl. Cyriacus und seine Gefährten, die in der Depositio genannt werden, sind am 8. August im Martyrologium Hieronymianum erwähnt, in den historischen Martyrologien und im Martyrologium Romanum. Dagegen enthalten die alten liturgischen Bücher, z. B. die nach der Art des Gregorianums und die Gelasiana des 8. Jh. allein den Namen des hl. Cyriacus. Die beiden Gefährten Largus und Smaragdus erscheinen nur in den Missalen der Kurie des 13. Jh., von welchem sie das Missale Romanum übernommen hat.« (LThK2 Bd. III, Sp. 118). - Die Verehrung des C. ist für Rom, wie gesagt, bereits für das Jahr 354 bezeugt. Weiters wird er in Italien besonders in Ancona verehrt. In Deutschland hat seine Verehrung begonnen in Neuhausen bei Worms, wohin bereits 874 Reliquien kamen. Von dort verbreitete sich sein Kult nach Speyer und Lorsch und seit dem 10. bzw. 11. Jh. nach Erich Wimmer »über weite Gebiete Mitteldeutschlands, Westfalens und am Oberrhein. Otto I. brachte Reliquien nach Bamberg, andere kamen 1049 in die Abtei Altdorf im Elsaß. In Franken mag sich der Kult, ausgehend von Würzburg, seit der Schlacht bei Sulzfeld a. M. am Cyriakus-Tag 1266, verstärkt haben.« (LThK3, Bd. II, Sp. 1368). - Als einer der Vierzehn Nothelfer wird er angerufen bei Besessenheit, bei Anfechtungen des Bösen, bei schweren Arbeiten und als Beistand in der Sterbestunde. In der Kunst wird er dargestellt als Diakon mit einem gefesselten Drachen oder dem Teufel unter den Füßen. Eine der ältesten Darstellungen des C. findet sich auf einem Fresko in S.Prassede zu Rom (9. Jh.). Berühmt ist auch eine Skulptur von Tilmann Riemenschneider im Landesmuseum zu Hannover aus dem Jahre 1510.


DIONYSIUS

Darstellung:
Dionysius von Paris Bischof, evtl. mit eigenem Haupt in den Händen
Kirchenlexikon
DIONYSIUS von Paris, Märtyrer, Heiliger, † um 285. - Bischof Gregor von Tours († 594) berichtet in seiner "Historia Francorum", D. sei in Italien geboren, um die Mitte des 3. Jahrhunderts mit 6 anderen Bischöfen von Rom nach Gallien gekommen und als der erste Bischof von Paris mit dem Schwert hingerichtet worden. Die Sage erzählt, D. habe nach der Enthauptung seinen Kopf selber an die Stelle getragen, an der er von einer frommen Frau, Catulla, begraben worden sei. Die Hinrichtungsstätte nannte man später mons martyrum (Montmartre). An seiner Grabstätte erbaute man im 5. Jahrhundert eine Kirche. Dagobert I. gründete dort 623 oder 624 die Benediktinerabtei St. Denis und wurde 638 in der Kirche begraben, in der 25 Könige, 10 Königinnen und 84 Prinzen und Prinzessinnen beigesetzt wurden. - D. ist der Nationalheilige der Franzosen und einer der 14 Nothelfer und sein Gedenktag der 9. Oktober. Hilduin, seit 815 Abt von St. Denis, identifizierte in seiner Lebensbeschreibung des D. diesen mit Dionysius Areopagita, dessen Werke Ludwig der Fromme 827 durch eine byzantinische Gesandtschaft als Geschenk des Kaisers Michael Balbus (820-829) erhalten hatte. In diesem Irrtum blieb das ganze Mittelalter befangen, obwohl Peter Abaelard (1079-1122), Jacques Sirmond (1559-1651), Jean de Launoi (1603-78) u. a. widersprachen.


ERASMUS

Darstellung:
dargestellt mit Schiffswinde und/oder Ankertau, mit Stab und Buch
Kirchenlexikon
ERASMUS, Heiliger, einer der 14 Nothelfer, † angeblich 303. - E. soll, nachdem er im Libanon eine furchtbare Marterung mit brennendem Pech und Schwefel unversehrt überstanden hatte, nach Formiä (Kampanien) gekommen sein, viele Heiden für das Christentum gewonnen und durch sein Gebet rettende Wundertaten bewirkt haben, z. B. gelegentlich eines großen Viehsterbens und bei einem heftigen Gewitter. - E. wird als Heiliger verehrt. Sein Fest ist der 2. Juni. Seine Reliquien befinden sich in Gaeta.


EUSTACHIUS

Darstellung:
Jäger mit Jagdhorn, dazu Hirsch mit Kreuz zwischen den Geweihstangen 
Kirchenlexikon
EUSTACHIUS, Heiliger, einer der 14 Nothelfer. -Die Legende erzählt: Placidus war ein römischer Offizier. Auf einer Jagd erschien ihm zwischen dem Geweih eines verfolgten Hirsches ein Kreuz, und Christus rief ihm gleichzeitig zu: »Placidus, warum jagst du auf mich? Glaube an mich, der ich Christus bin und lange nach dir gejagt habe, gehe zum Bischof der Christen und laß dich taufen.« Placidus ließ sich mit seiner Gemahlin Trajana (später: Theopista) und seinen Söhnen Agapius und Theopistus taufen und nahm den Namen E. an. Er verarmte und wanderte nach Ägypten. Dort wurde E. von seiner Frau und seinen Söhnen gewaltsam getrennt, fand sie aber später unerwartet wieder. Mit seiner Frau und seinen Söhnen erlitt er in Rom unter dem Kaiser Hadrian (117-38) den Märtyrertod. Nachdem man sie im Amphitheater vergebens den Löwen vorgeworfen hatte, wurden sie in einem Ofen verbrannt. - E. ist wie Hubertus Patron der Jäger. Sein Fest ist der 20. September.


GEORG

Darstellung:
Georg von Kappadokien ebenfalls sehr bekannter Heiliger - Ritter mit Fahne und Drachen
Kirchenlexikon
GEORG, Märtyrer, Heiliger, einer der 14 Nothelfer. - G. war ein hochgestellter Kriegsmann aus Kappadokien (Kleinasien) und erlitt in der Verfolgung des Diokletian (s. d.) um 303 den Märtyrertod, vielleicht in Diospolis = Lydda bei Jaffa in Palästina. Die Legende überwucherte schon sehr früh seine historische Persönlichkeit, die wir darum nicht mehr recht zu fassen vermögen. Seit dem 4. Jahrhundert ist seine Verehrung bezeugt. In der morgenländischen Kirche wird G. als »Großmärtyrer« verehrt. Wallfahrten ins Heilige Land und vor allem die Kreuzzüge brachten seinen Kult nach Westen, wo G. seit dem 12. Jahrhundert als junger, hoch zu Roß mit dem Drachen kämpfender Held volkstümlich wurde. Als Patron der Krieger und Ritter wurde er in die Gruppe der Nothelfer aufgenommen. G., seit dem 13. Jahrhundert Patron von England, ist der meistverehrte Märtyrer des christlichen Altertums und Mittelalters. Sein Fest ist der 23. April.


KATHARINA

Darstellung:
Katharina von Alexandria mit Rad, Krone, Palme, Buch, evtl. mit abgeschlagenem Haupt
Kirchenlexikon
KATHARINA von Alexandria ( A << hater i nh = die allzeit Reine), heilig (Fest am 25. November), war nach einer legendären Passio des 6./7. Jahrhunderts die Tochter des Königs von Zypern. Sie erlitt angeblich in Alexandria um 307 (oder 315) unter Kaiser Maxentius (?) das Martyrium. Eher dürfte es sich um den am 1. Mai 305 mit der Caesarenwürde bedachten Maximinus Daia gehandelt haben. Im 10. Jahrhundert wird das Sinaikloster als Aufbewahrungsort ihrer Gebeine bekannt. Genauere historische Belege sind für das Leben der Heiligen nicht greifbar, die Passio selbst wurde erst im 14. Jahrhundert um die Conversio erweitert, stellt aber den Ausgangspunkt der überaus reichen Katharinenverehrung dar. Eine solche ist für den Osten seit dem 7. Jahrhundert, für den Westen seit dem 8. Jahrhundert (K. neben dem Thron Mariens, Fresko »S. Ecaterina« im Oratorium nördlich der basilika S. Lorenzo al Verano) bezeugt. Verstärkt wurde die Verehrung durch den Tumuluskult am Sinai, der über die Kreuzfahrer und Pilger vor allem im Westen Verbreitung fand. Konzentrierte sich die erste Verehrung auf Italien (Abbildung in der Januarius-Katakombe in Neapel, neue Fassung der Passio um das 9./10. Jahrhundert), so entwickelte sich der Kult rasch im übrigen Westen. Neben den Benediktinerabteien Montecassino (Kalendarium, 10. Jahrhundert; passionarium, 11. Jahrhundert), St. Gallen (Kalendarium, 11. Jahrhundert) und Trinité-au-Mont (bei Rouen, dorthin Reliquien-Translation 1033/54) entstanden in Deutschland und Frankreich neue Verehrungszentren. Erste deutsche Patrozinien sind nachweisbar 1059 in Werden, 1125 in Zwickau, 1128 in Xanten. Gefördert durch die benediktinischen Kalendarien fand die K.verehrung Eingang in beinahe jedes Kalendarium und Missale. Im Missale Romanum findet sich die Oratio bereits in einem französischen Missale des 12./13. Jahrhunderts (Paris). Seit dem 13. Jahrhundert ist K. nach Maria die meistverehrte weibliche Heilige. Der Gruppe der 14 Nothelfer wird sie seit dem 14. Jahrhundert zugerechnet. Im Barock kam es zu einer Neubelebung des Kultes. K. gilt als Patronin der Mädchen und Jungfrauen, der Schüler, Lehrer, Theologen, Philosophen, Anwälte und der Universitäten - begründet ist die Anrufung durch die legendarische Disputation mit den Philosophen). Zugleich ist K. aber auch die Schutzheilige für alle Berufe, die in irgendeiner Weise mit dem Rad bzw. dem Messer zu tun haben (Martyrium!): Wagner, Töpfer, Müller, Bäcker, Spinner, Seiler, Schiffer, Gerber, Schuster und Barbiere. Sie wird angerufen bei Krankheiten aller Art, besonders Kopf-und Zungenleiden, bei Milchlosigkeit stillender Mütter, bei der Suche nach Ertrukenen, sie ist Patronin der Spitäler und der Feldfrüchte. Wegen ihrer Schönheit wurde sie auch zur Patronin der Pariser Schneiderinnen. Reliquien finden sich u. a. in Rouen, Köln, Grevenrode und Nürnberg. In der christlichen Kunst finden sich folgende Typen bzw. Attribute. Als jungfräuliche Königstochter wird K. meist mit Krone auf den offen getragenen Haaren dargestellt, seltener ist die Darstellung mit dem Haar unter einer Wulsthaube oder mit der Krone in der Hand. Im 8./9. Jahrhundert findet man K. als Märtyrerin zuerst mit einem Handkreuz (so vor allem im Osten), später treten neue Attribute auf: im 12. Jahrhundert die Palme, das Buch als Zeichen der Gelehrsamkeit, seit Mitte des 13. Jahrhunderts ein kleines, ganzes Rad statt Buch, seit Ende des 13. Jahrhunderts das Schwert statt der Palme. In späterer Zeit finden sich Kombinationen dieser Formen. Das Rad wird mitunter als zerbrochen dargestellt, als im Triumph erhoben oder mit den Füßen getreten. Bisweilen findet sich auch der für die Grausamkeiten verantwortliche Kaiser zu ihren Füßen. Selten sind Lilie, Blume, Scheibe mit den Wissenschaften, das abgeschlagene Haupt.


MARGARETA

Darstellung:
Margareta von Antiochia mit Drachen, Kreuzstab mit Taube, Kreuz, Krone, Fackel
Kirchenlexikon
MARGARETA (auch: Margarethe, Margarete; gr. Marina ) Hl., Jungfrau und Martyrerin - Fest: 20. Juli ca. 290 Alexandrien (Antiochien?). - Aus vornehmer hellenistisch-ägyptischer Familie stammend, erregte M. als junges Mädchen die Aufmerksamkeit des römischen Stadtkommandanten ("consul") Olibrius. Als seine Avancen zurückgewiesen werden, entschließt dieser sich zur Gewalt, erfährt aber bald, daß der eigentliche Grund zur Verweigerung der unlauteren Beziehung M.s Christentum ist. Enttäuscht und in seinem Stolz verletzt, läßt Olibrius M. öffentlich foltern (schleifen durch Pferde, geißeln, glühende Eisen, Rad), wobei M. freimütig ihren Glauben bekennt. Als diese Zwangsmaßnahmen nichts helfen, wird sie in den Kerker von Alexandrien geworfen, wo Gefahren anderer Art auf sie warten: dämonische Versuchungen, Teufelsmanifestationen und -erscheinungen, wie sie auch der Hl. Antonius zu erleiden hatte. Das von M. hineingeschmuggelte Kreuz und ihr starker Glaube lassen auch diese abprallen. Am Ende seiner Geduld und angesichts der Standhaftigkeit M.s entscheidet sich Olibrius schließlich, M. durch das Schwert hinrichten zu lassen. Kurz vor ihrem Tode verspricht sie allen, die sie fürderhin in der Todesstunde anrufen werden, Befreiung vom und Sieg über den Versucher. - Seit frühester Zeit ist die ununterbrochene Verehrung der Hl.M. im griechischen Orient, v.a. in Alexandrien und Antiochien nachgewiesen, wohin die Reliquien überbracht worden waren (evtl. stammte sie auch daher). Seit dem 5. Jahrhundert hat sie dort ihr Fest am 17. Juli. Die Bedeutung des Kultes unterstreicht der Ehrentitel der «megalomartyr». Für den Westen weist Mabillon ihren Namen in Litaneien ab dem 7. Jahrhundert nach, Baronius ihre Verehrung durch die Langobarden. In Leyden ist ihr seit 966 eine Pfarrkirche geweiht. Ihr Leichnam wird 908 von Antiochien nach Italien überführt, zunächst nach S.Pietro della Valle am Lago Bolsena, 1145 findet er seine endgültige Kultstätte in Montefiascone. Bedeutende Reliquien gelangen von dort 1213 nach Venedig, was den Anspruch der Republik als erste auch geistliche Kraft des griechischen Ostens (nach dem Fall Konstantinopels 1204) unterstreicht. So taucht dieses Ereignis in italienischen Brevieren des Ma. als Fest der «Translatio S. Margaretæ» auf, interessanterweise unter dem 17. Juli, dem östlichen Festtermin. Alphanus, erster Erzbischof von Salerno, verfaßte den Festhymnus. Die Altarweihe der Kirche in Montefiascone erfolgte 1262 durch Papst Urban IV., unter Anwesenheit zahlreicher Cardinäle, (Erz-)Bischöfe und Cleriker, 1376 die Schlußweihe mit Erhebung zur Cathedrale durch Gregor XI. 1222 taucht der Namen M.s in den Akten des Conzils von Oxford auf, spätestens ab dieser Zeit gilt sie als eine der Hauptheiligen und Schutzpatrone Englands und der englischen Monarchie, gemeinsam mit dem Hl. Georg (Drachenmotiv!), das Breviarium ad usum eccl. Sarum. (Salisbury) hat ihre ganze Passio. Bereits 1300 ist ein Kloster S. Margarita in Cassia (Umbrien) nachgewiesen, seit dieser Zeit findet sich St.M. immer häufiger in Eigenbrevieren der Prämonstratenser und Benediktiner. 1288 stiftet Nicolaus IV. S. Margherita in Trastevere (Umbau 1678-80 durch Carlo Fontana im Auftrag Card. Girolamo Gastaldis). 1522 findet sich das erste gedruckte Meßformular der Heiligen im Missale Mediolanense, 1554 auch in Verdun, beidemale als Vollmesse mit Eigenpräfation. Reliquien im Hl. Römischen Reich sind v.a. in Köln und Anderlach (heute Belgien) nachweisbar. 1608 stiftet Königin Maria de' Medici, Gemahlin Heinrichs IV. von Frankreich, die berühmte Silberstatuette der Heiligen nach St-Germain-des-Prés. In Paris befanden sich außerdem Teile des Hauptes bis zur Revolution im Frauenkloster Sainte Claire. 1670 erhielt ihr Kult einen erneuten Aufschwung durch die zahlreichen, z.T. aufsehenerregenden und belegten Wunder während des Dombrandes in Montefiascone, woraufhin die jährliche Reliquienprozession gelobt wurde. - In Ausschmückung der Begegnung M.s mit den manifesten Mächten der Finsternis finden sich bald, noch in der Spätantike, Erzählungen von der Begegnung mit einem Drachen, zunächst noch im Kerker, dann auch im Freien, sogar angebunden an einen Felsen in Anlehnung an heidnische Mythen. Eine erste Zusammenfassung dieser verschiedenen Überlieferungen stellt Theotinus' sog. "Passio S. Margaretæ" dar. Im Ma. kommen Ergänzungen hinzu, v.a. die berühmte Geschichte des Verschlucktwerdens durch den Drachen, aus welch mißlicher Lage sich die Heilige aber durch ihr mitgeführtes Kreuz durch Ausgespucktwerden wieder befreien konnte (typisch (spät-)mitelalterliche Uminterpretation des Kerkerraumes in einen Drachen, also räumliche Ausdehnung des Bösen, der Teufel tritt nicht mehr von außen an den Menschen bzw. die Seele heran, man ist in ihm gefangen, diese Meinung noch so bei den Reformatoren - es bleibt aber das Kreuz als Siegeszeichen). Durch den so erfolgten glücklichen (Wieder-)Austritt aus dem Inneren des Ungeheuers ("partus") wurde sie zur Schutzpatronin der gebährenden Frauen bzw. werdenden Mütter in schwierigen Schwangerschaften. All diese, z.T. dann im späten Ma. phantastischen Erweiterungen bewahren stets ein Quäntchen der eigentlichen Geschichte, um es dann dem Volksgut plastisch-drastisch einzuverleiben. Eine ganz andere Orientierung erhält die M.-verehrung durch die Hl. Johanna von Orléans (Jeanne Arc), wo die frühchristliche Heilige zu einer der «voix célestes» und Führerinnen der Jungfrau in ihrem Kampf um Befreiung und Heiligung der französischen Monarchie wird. Dieser komplexe theologische Sachverhalt wurde während der Rehabilitaion der Pucelle und v.a. anläßlich der Heiligsprechung 1926 kirchlicherseits anerkannt. Im religiösen Brauchtum zählt M. darüber hinaus zu den Vierzehn Heiligen Nothelfern. Sie wird angerufen - außer den bereits geschilderten Zuständigkeiten - gegen Unfruchtbarkeit, aber auch bei Gesichtsverletzungen und -krankheiten, wohl wegen der vor dem Tode erfolgten Ganzkörpergeisselung. Ihre Verheißung bzgl. der Todesstunde (s.o.) hinterließ Spuren in der christlichen Spiritualität (am bekanntesten die letzten Anrufungen Jeanne Arcs). - Zu den berühmtesten Darstellungen der Heiligen, meist mit Drachen/Teufel zu Füßen und einem Kruzifix in der Hand, gehören ein Jugendwerk Raffaels (heute im Louvre), ein Altarbaltt U. Loths in der Münchner Frauenkirche (Domkirche zu Unserer Lieben Frau), hier in interessanten "englischen" Verbindung mit der Georgslegende, und das Hochaltarbild "Santa M. in carcere" Giacinto Brandis in S.Margherita in Trastevere (wohl am nächsten an der historischen M.). - Ohne Zweifel ist M. eine der bedeutenden Heiligengestalten der Gesamtkirche, gerade durch ihre Verehrung in den beiden großen christlichen Hemisphären und durch die lange gesicherte Kulttradition. Weiteren Aufschwung (neben der Erhebung zur englischen Nationalheiligen, ihrer Bedeutung für die Republik Venedig und das Königreich Frankreich, s.o.) erhielt der M.kult durch die Verehrung im vornehmlich spanischen Zweig des Hauses Habsburg. Außerkirchlich trug der Faustepos mit M. als reiner Gestalt gegen die finsteren Mächte Mephistos nicht wenig zur Popularität des Namens bei, besonders durch die Fassungen J.W. von Goethes und die Vertonungen des 19./20. Jhds (Gounod, Berlioz, Busoni). Umso unerklärlicher erscheint die in einer Anmassung ohnegleichen vorgenommene Streichung aus dem römischen Calendarium 1969 ohne Rücksicht auf kirchliche Traditionen und die päpstlichen Förderungen des M.kults. Die ideologischen Beschränkungen der strukturalistischen sog. historischen Kritik standen der an sich noblen Absicht entgegen, Wesentliches und historisch gesichert Überliefertes von evtl. Überwucherungen der Volksfrömmigkeit späterer Zeiten - etwa im Sinne einer wahren Reform des Heiligencalenders/Breviers - zu trennen. Wie die Namensstatistiken und ein Blick in die Volksfrömmigkeit des späten 20. Jhd. zeigen, hat die Hl. M. aber auch diese Krise überlebt.


PANTALEON

Darstellung:
langer Mantel, gefesselt, evtl. Hände an den eigenen Kopf genagelt
Kirchenlexikon
PANTALEON, + um 305 in der Diokletianischen Christenverfolgung; des Martyriums dieses als Heiliger verehrten Leibarztes Kaiser Maximians wird im Heiligenkalender am 27. Juli gedacht, auch wegen seines Einsatzes für die Armen und Notleidenden. Vom frühen Mittelalter an zählte man ihn zu den »14 Nothelfern«, jenen »Heiligen«, die - wenn man sie in Not anruft - sich bei Gott für die Betenden einsetzen. So sagt man es in der christlichen Volksfrömmigkeit der West- und Ostkirchen bis heute. Auch Martin Luther berief sich auf sie (in: »Tesseradecas Consolatoria Pro Laborantibus Et Oneratis« von 1520). In Rom ist bereits für das Jahr 708 eine solche Pantaleon-Verehrung bezeugt. Allein in Rom gibt es vier dem Pantaleon geweihte Kirchen; Pantaleon-Reliquien wurden und werden in Konstantinopel, Bari, Neapel, Ravelle, Rom, Venedig, Lyon und Köln verehrt. - Pantaleon gilt als Schutzpatron der Ärzte, Hebammen und Krankenpflegenden. Die auf ihn bezogene Volksfrömmigkeit wird z.B. im mittelalterlichen Köln bezeugt; im Siegel der dortigen medizinischen Fakultät aus dem 14. Jahrhundert wird Pantaleon dargestellt; das amtliche Siegel der heutigen medizinischen Fakultät in Köln zeigt ihn als Arzt mit Märtyrerpalme und Salbenbüchse in Händen. Ein Kranz von Legenden umgibt das Bild eines Mannes, dessen Biographie historisch kaum faßbar ist, aber für »Fromme« im »christlichen Abendlande« bis heute viel bedeutet.


VITUS

Darstellung:
mit oder in Kessel, mit Buch, Palme, Hahn
Kirchenlexikon
VITUS (VEIT) Heiliger, + um 304/305. - Die geschichtliche Existenz des heiligen Vitus gilt durch die frühen Nachweise seines Kultes als gesichert. Um das Jahr 600 entstand in der römischen Provinz Lucania die legendäre Passio S. Viti. Nach dieser war der Heilige der Sohn einer reichen heidnischen Familie und wurde in dem heutigen Mazaro del Vallo an der Südwestküste Siziliens geboren. Im Alter von 7 Jahren soll er zusammen mit seinem Erzieher Modestus und seiner Amme Crescentia, nach Lukanien geflohen sein, weil sein Vater Hylas zum Abfall vom Christentum zwingen wollte. Als Christen erkannt, wurden die drei vor das Gericht Diokletians nach Rom gebracht und obwohl Vitus den Sohn des Kaisers von Bessenheit heilte und andere Wunder tat, gefoldert oder in einen Kessel mit siedendem Öl geworden worden. Von der Marter weg habe sie ein Engel zurück nach Lukanien gebracht und seien dort aber bald gestorben.-Das früheste Zeugnis seines Kultures findet sich in der gallischen Rezension des dem Hoeronymus zugeschriebenen Martyrologiums und stammt aus der Zeit um 600. Die Vituslegende war in Oberitalien, Frankreich und Deutschland verbreitet. Nach einer niederdeutschen Fassung, der immer stärker ausgestaltenen Legende, soll der Leib des Vitus 583 von Sizilien nach Unteritalien gekommen sein, von wo er 756 in das Kloster St-Denis gelangte. Abt Hilduin soll die Reliquien 836 dem kurz zuvor gegründeten Kloster Corvey geschenkt haben. Dort entstand ein großes Zentrum seiner Verehrung entstand. Aus Corvey soll auch der Arm stammen, für den Herzog Wenzel in Prag eine eigene Kirche bauen ließ, den heutigen Veitsdom. Während des Dreißigjährigen Krieges verlor Corvey seine Vitusreliqiuen, die alle nach Prag gekommen sein sollen. In etwa 150 Orten sollen Reliquien des Heiligen aufbewahrt werden und in mehr als 1300 Orten finden sich Vituspatrozinien. Der Heilige wurde im ganzen Mittelalter und in der Barockzeit sehr verehrt. Er wird auch der Gruppe der vierzehn Nothelfer zugerechnet. Die Zahl seiner Patronate ist außerordentlich hoch. So war Vitus der Schutzheilige der Apotheker, Bergleute, Bierbrauer und Gastwirte, Küfer und Winzer. Er wurde bei Epilepsie (Veitstanz), Hysterie, Bessenheit, Tollwut, Schlangenbiß, Blitz und Unwetter angerufen. Als Nothelfer von Sterbenden wird er angerufen, da er nächtliche Verheißungen von Engeln erhalten habe. In der Ikonographie wird er meist als Knabe oder Jüngling in einem Ölkessel stehend mit Palme, Buch, Rabe, Adler oder Hahn dargestellt. Die Verbindung mit dem Hahn entstand dadurch, daß ihm wie dem slawischen Lichtgott Svantevit, den er verdrängte, Hähne geopfert wurden. Die weiteren Zusammenhänge des christlichen Heiligen mit dem slawischen Lichtgot sind bisher nicht erforscht. Seltener sind die Darstellungen, in denen Vitus als Schutzherr der sächsischen Kaiser mit Hermilin und Reichsapfel oder in der Begleitung von Modestus und Crescentia dargestellt wurden. Sein Festtag ist der 15. Juni.


> Abbildungen der 14 Nothelfer