Rengen - Lieserdorf und Dauner Stadtteil

Bei Rengen hat die Lieser die Struth verlassen. Rengen zählt sich weder historisch noch aktuell zur Struth. Für den außen stehenden Betrachter liegt der Ort geografisch und verkehrsmäßig im Liesertal, in dem eben jene Struth beginnt. Von der Struth trennt Rengen nur die Wiesen und Felder nördlich des Ortes. Dennoch ist Rengen seit 1970 kommunalpolitisch ein Teil der Stadt Daun. Aus dem ehemals beschaulichen Lieserdorf ist seither durch die Ansiedlung von Gewerbegebieten unterschiedlichster Art und Größe im eigens dafür ausgewiesenen Industriegebiet südlich des Ortskerns ein expandierender Stadtteil geworden, der für die Stadt Daun sowie für Hunderte von Arbeitnehmern aus der Region von immer größerer Bedeutung wird.

Trotz dieser Wandlung vom Bauerndorf zum Gewerbestandort, oder gerade deswegen, vor allen Dingen aber auch, weil der Ortskern sein dörfliches Ambiente hat erhalten können, lohnt es sich, einen Blick in die Rengener Ortsgeschichte zu werfen, und hierbei vor allem zur Geschichte der Rengener Wallfahrtskirche. Als alt bezeichnet sich das 400-Einwohner-Dorf nicht. Rengen wurde erst Anfang des 14. Jahrhunderts als Ortschaft des kurtrierischen Amtes Daun erwähnt. Es hatte 1563 rund 85 Einwohner, litt wie alle Eifelorte stark unter dem Dreißigjährigen Krieg und seinen Not- und Pestzeiten, die die Bevölkerung auf 50 Personen zurückgehen ließen. Weltlich gehörte Rengen mehreren Herren, dem Kurfürst von Trier, dem Grafen von Zandt in Lissingen und dem Graf von Manderscheid. Als katholische Kirchengemeinde war Rengen stets Filiale der Mutterkirche St. Nikolaus in Daun und unterstand somit bis zur Neueinteilung der Bistümer 1803 dem Erzbischof von Köln. Die erste Kirche wird vermutlich um 1670 erbaut worden sein. Ein Opferstock mit der Jahreszahl 1670 und Urkunden aus jener zeit über Trauungen in der "Sacellum Rengen" belegen dies. 1719 wurde wöchentlich eine Messe gehalten. 1744 und 1752 ermahnte der kirchliche Visitator, die Kapelle instand zu setzen. Dies geschah 1756.

Die Kapelle war ein einfacher kleiner Bruchsteinbau mit einem länglichen Schiff und einem dreiseitig geschlossenen Rundchor. 1851 wurde ein quadratisches Schutzhaus mit dreiseitig geschiefertem Dach für Wallfahrer angefügt. Denn in der Region bekannt wurde die Rengener Filialkirche als Kirche mit den "Vierzehn Nothelfern". Viele Gläubige und Prozessionen, früher mehr als heute, pilgerten hilfebittend zu Achatius (Helfer in Todesängsten), Ägidius (Patron stillender Mütter), Barbara (Patronin der Sterbenden und Helferin bei Unwettern), Blasius (Helfer bei Halserkrankungen), Christopherus (Patron der reisenden und Helfer gegen plötzlichen Tod), Cyriakus (Helfer gegen böse Geister), Dionysius (Helfer bei Kopfleiden und Geisteskrankheiten), Erasmus (Helfer der Witwen und Weisen), Eustachius (Helfer bei Drangsalen und Schicksalsschlägen), Georg (Patron der Bauern und Helfer in Glaubenszweifeln), Katharina (Patronin der Wissenschaften), Margaretha (Helferin in Geburtsnöten), Pantaleon (Patron der Ärzte und Heilkundigen) und Vitus (Helfer bei Krampfanfällen und Patron der Jugend). Die Figuren der Vierzehn Nothelfer wurden 1786 von Bildhauermeister Matthias Büchel aus Prüm hergestellt.

Die Rengener Kirche, 1903/04 durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt, hatte sich zu einer gern besuchten Stätte und zum Ziel vielfältiger regionaler und lokaler Wallfahrten entwickelt, bei denen die Verehrung der 14 Nothelfer ein Hauptanliegen war. Rengen darf nicht als Wallfahrtsort im allgemein bekannten Sinne in Form eines Gnadenortes zur Verehrung eines Heiligen oder eines wundersamen Geschehens mit überregionalen Prozessionen, Wallfahrtsmessen und festen Wallfahrtszeiten verstanden werden. Seine Bedeutung bezieht sich auf den näheren Umkreis. Es ist in erster Linie ein Wallfahrtsort für Einzelpilger und kleinere Gruppen, die um Erhörung ihrer Anliegen bitten. Im Zuge einer größeren Innenrestaurierung wurde 1962 dem Reigen der 14 Nothelfer als krönender Mittelpunkt ein "Gnadenstuhl" aus Eichenholz mit der Reliefdarstellung der Dreifaltigkeit hinzugefügt, gestiftet von einer Rengener Familie. In all den Jahren zeigte es sich, dass diese Kirche der Bevölkerung ans Herz gewachsen ist. Fleiß und Engagement, Opferbereitschaft und großherzige Spenden trugen zum gepflegten Erhalt des markanten Kirchleins im Liesertal bei.

Die Rengener Mühle

Die Rengener Mühle hat ihren Namen vom gleichnamigen Ort. Sie lag in Rengen unmittelbar an der Lieser. 1854 wird die Mühle ohne Einwohner angegeben, 1885 wohnten drei Personen darin. Der letzte Müller war Johann Pfeiffer. Er hat noch bis in die 1930er Jahre gemahlen. Die Gebäude wurden Mitte der 1960er Jahre versteigert, dienten dann als Lagerraum und sind mittlerweile abgerissen.

 

Die beiden Artikel sind entnommen dem Buch "Die Lieser - Geschichte und Geschichten um einen Eifeler Wasserlauf" von Erich Gerten, Manfred Morsbach und Alois Mayer, ISBN 3-00-006760-4, Oktober 2000