Fotokalender - Rengen im Lauf der Jahre
-------------------------------------------------------
Offner Brief des Ortsbeirates zu A1-Planungen sorgt für Disput

-Offener Brief an die den Kreis Daun im Bundes- und im Landtag repräsentierenden Abegordneten- ---------------28.10.2001

MdB Elke Leonhard  - MdB Ulrike Höfken - MdB Peter Rauen - MdL Astrid Schmitt - MdL Dr. Edmund Geisen - MdL Herbert Schneiders

Aktuelle A1-Planung bei Rengen: Neue Investitionsruinen oder sinnvoller Weiterbau?

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren Abgeordnete,

im vergangenen Jahr hat der Weiterbau der Bundesautobahn A1 von der Anschlußstelle Daun/Darscheid in Richtung Norden infolge der sog. UMTS-Milliarden einen unerwarteten Impuls bekommen. Resultat: Weitere 2,4 Km Trasse können zum Anschluß der geplanten Liesertalbrücke bis unmittelbar vor Rengen fertiggestellt werden.

Jenseits des Liesertales, oberhalb des Gewerbegebietes Nerdlen/Kradenbach werden mit Mitteln aus dem gleichen Topf im Zuge der Ortsumgehung Dockweiler/Dreis alle Vorkehrungen für die Anschlußstelle der A1 auf der Dreiser Höhe getroffen.

Und was passiert im Tal!! Es sollen sinnlos Millionen verpulvert werden für eine Behelfsausfahrt, die vermutlich nur wenige Jahre existieren wird. Hauptsache, die Kernstadt Daun wird entlastet. Eine Landschaftverschandelung ohnegleichen ist geplant. Ein neuer Unfallschwerpunkt entsteht durch die Konzentration von PKW- und LKW-Verkehr an einer Stelle, die für diesen Zweck nicht geeignet ist. Von Abgas- und Lärmbelästigung wollen wir an dieser Stelle gar nicht sprechen, die in höchstem Maße die Lebens- und Wohnqualität der Rengener Bürger beeinträchtigen wird.

Was fehlt bis zur oben beschriebenen derzeit in Realisierung befindlichen Anschlußstelle an die A1: die geplante Liesertalbrücke und knapp 2 km Fahrbahn!!

Anstelle des sinnvollen Weiterbaus mit Brücke und Trasse bis in den Dreiser Wald soll hier ein Provisorium aus dem Boden gestampft werden, das niemals zurückgebaut werden wird, wenn denn die Liesertalbrücke fertiggestellt sein wird. Die Bürger im Liesertal sollen mit einer Landschaftsverschandelung leben, wohl wissend, dass alles mit Steuermitteln finanziert worden ist.

Von Seiten der Straßenbauverwaltung Gerolstein sind uns vergangene Woche die Pläne für die Behelfsausfahrt Rengen vorgestellt worden. Diese Pläne sind erschreckend! Hohe Aufschüttungen und gravierende Einschnitte in die Landschaft wachsen auch nach Generationen nicht mehr zu!! Und alles für die Katz!!

Wir haben die Autobahn nicht gerufen, sind uns unserer regionalen und nationalen Verantwortung aber bewusst und akzeptieren die Liesertalbrücke der A1 und den lang geplanten mit dern Bürgern abgestimmten Streckenverlauf.

Wir können und werden aber keine Hoppla-hopp-Planung akzeptieren, die Millionen von Steuergeldern aus dem Fenster und die berechtigten Interessen der Bürger über den Haufen wirft. Also nochmal: Keine Investitionsruine und ein Fall für den Bundesrechnungshof, sondern verkehrsgerechte Investition für den Weiterbau der A1 in Richtung Köln.

Bundesverkehrsminister Bodewig hat am Wochenende neue Steuermittel für den Bundesfernstraßenbau zugesagt. Wir dürfen Sie als unsere Interessenvertreter in Bund und Land herzlich bitten: Werden Sie Ihrer Verantwortung gerecht und plädieren Sie bei den verantwortlichen Stellen entschieden für den Weiterbau der A1. Nicht jedoch für das Millionengrab Behelfsausfahrt!!

Darüber hinaus bedenken Sie bitte: An anderen Stellen der Bundesrepublik sind im nationalen Interesse liegende Verkehrsprojekte auch über private Investoren angeschoben worden.

Die Vernunft gebietet immer einen Weg, der weiterführt. Die Planungen für den jetzigen Weg führen jedoch geradewegs in die Sackgasse!!

Bitte unterstützen Sie unser Anliegen im Interesse unserer Eifelheimat!! Wir bedanken uns bereits jetzt für Ihr Engagement und Ihre Antwort

Für den Ortsbeirat Rengen 
Rainer Marthen (stv. Ortsvorsteher) - Lothar Schiffels - Thomas Daun - Franziskus Daun - Christoph Steil

Der Brief wurde in der Eifelzeitung (45. KW/2001) im Wortlaut abgedruckt. Im Trierischen Volksfreund (Dauner Zeitung vom 8.11.2001) war es der Aufmacher mit dem Titel "Am Absteig scheiden sich die Geister". Die Stellungnahmen von Politikern, Sachverständigen und unabhängigen Pressevertretern seien an dieser Stelle genannt:

Elke Leonhard, MdB verweist darauf, dass ein Stillstand nicht erkennbar sei. "Wir haben nach Jahren den Einstieg in den Lückenschluss geschafft, und das gleich mit einem Riesenbatzen Geld."
Astrid Schmitt, MdL war zunächst von der deutlichen Kritik überrascht, die bislang in der Form noch nicht geäußert worden sei. Doch sie ist überzeugt, dass das Straßenamt "das Optimale gemacht hat mit dem Geld, das im Moment vorhanden war."
Ulrike Höfken, MdB "Wenn die Autobahn schon nicht zu verhindern ist, müssen die Schäden für Menschen und Umwelt so gering wie möglich gehalten werden." Deshalb möchte sie mit dem Weiterbau so lange warten, bis Gelder zum Erreichen der Anschlusstelle auf der Dreiser Höhe da sind.
Peter Rauen MdB ...er unterstützt die Bedenken der Rengener. "Man muss den Mut haben, mehr Millionen einzusetzen und nicht Steuermittel für ein Provisorium zu verschwenden.
Herbert Schneiders MdL ist der gleichen Auffassung wie sein Parteifreund Rauen: "Der Eingriff in die Landschaft durch die Behelfsausfahrt ist schwer zu vertreten."
Edmund Geisen MdL findet die Kritik der Rengener berechtigt.Er sieht die Gefahr, dass der Weiterbau verzögert werde, wenn durch die Behelfslösung erst einmal "Tatsachen geschaffen werden."

Mirko Blahak, vom Trierischen Volksfreund dazu in einem Kommentar:

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, lautet ein Sprichwort, dass gut zum inzwischen Jahrzehnte dauernden Ringen um den Lückenschluss der A1 zwischen Daun und dem nordrhein-westfälischen Tondorf passt. Mühsam ist nicht nur die Planfeststellung - Baureife besteht derzeit bis Kelberg. Mühsam ist vor allem die Suche nach Geldern, um das Mammutprojekt zu finanzieren. Allein für die Strecke auf rheinland-pfälzischem Boden ist ein hoher dreistelliger Millionenbetrag zu veranschlagen. Dass diese Summe nicht in einem Rutsch bereitgestellt werden kann, müsste wohl jedem einleuchten. Deshalb bleibt den Planern nichts anderes übrig, als nach der Salamitaktik zu verfahren und Abschnitt für Abschnitt voran zu kommen. Über die Frage, wie die Teilstücke gewählt werden, lässt sich aber schon diskutieren. Denn dem Steuerzahler ist nur schwer zu vermitteln, dass in Rengen eine Behelfsausfahrt für etwa zwei Millionen Mark gebaut wird, um sie danach erneut für nicht wenig Geld wieder dem Erdboden gleich zu machen.

Harald Enders, Straßen- und Verkehrsamt Gerolstein

verweist darauf, dass der Bau des Teilabschnitts besser sei als Stillstand. "Wir haben jetzt den Fuß in der Tür zum weiteren Lückenschluss der A1." Um an die Mittel der UMTS-Erlöse zu kommen habe man damals einen Abschnitt finden müssen, der als Ortsumgehung entsprechend des so genannten Zukunfts - Investitionsprogramms (ZIP) gefördert werden konnte. Für das Teilstück bis Rengen wurden so 55 Mio. Mark bereitgestellt", will er den Bau des Abschnitts als wichtigen Schritt in die Zukunft gewertet wissen. Mehr sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich gewesen, da die Liesertalbrücke und der Weiterbau bis zur Dreiser Höhe etwa weitere 112 Mio. Mark kosten dürfte. In dem Schreiben geäußerte Befürchtungen, die provisorische Ausfahrt werde nicht mehr zurückgebaut, seien "völlig aus der Luft gegriffen". Auch den Verweis auf Beeinträchtigungen der Landschaft lässt Enders nicht gelten. Wenn, wie vom Verkehrsamt favorisiert, die ortsnahe Variante auf dem vorhandenen Wirtschaftsweg umgesetzt werde, gebe es weder hohe Aufschüttungen noch gravierende Einschnitte in die Umgebung.

Zum Schluss ein wenig Spott im TV vom 10.11.01:

Frage: Wie werden Sie als Gemeinde bundesweit bekannt, auch wenn sie touristisch vielleicht nicht so viel zu bieten haben?
Antwort: Sorgen Sie dafür, dass Sie einen AUTOBAHNANSCHLUSS bekommen. Wer würde schon Dernbach kennen, gäbe es da nicht ein stauträchtiges Dreieck. Also liebe Rengener: Warum grämt Ihr euch so über die Anschlusstelle der A1 zur L46? Doch wenn sich Rengen wirklich verweigert, wie wäre es denn mit Ihnen, liebe Bürger aus Waldkönigen. Greifen Sie doch zu und sichern Sie sich ein Stück bundesweiter Popularität.  (bl)