Die Entstehung der Domäne in Rengen
Eine arme Grünlandfläche im Kreise Daun, Eifel, wählte 1930 der Geheime Regierungsrat Prof. Dr. Th. Remy, damaliger Direktor des Institutes für Boden- und Pflanzenbaulehre der Landwirtschaftlichen Hochschule Bonn, für das neu zu errichtende Grünland-Versuchsgut. Die Wahl der kärglichen Mittelgebirgsböden war besonders glücklich, weil die pflanzenbauliche Forschung sich bis dahin fast ausschließlich auf die guten Böden klimatisch begünstigter Gebiete beschränkt hatte.

Diese Einrichtung war für lange Jahre sowohl Arbeitsstelle für Bürger aus Rengen und Nerdlen, als auch vielfache Anregung dafür, wie zeitgemäße Grünlandwirtschaft und Viehhaltung zu betreiben war. Die Domäne als Lehr- und Forschungsstation ist seit Oktober 2007 Geschichte, die dazugehörigen Flächen wurden flurbereinigt und zum Teil ein Opfer des Autobahnbaus. In der Nachfolge der Domäne wird dort nun eine Milchviehhaltung für mehr als 150 Tiere in privater Regie betrieben.

Der nachfolgende längere Artikel schildert die Entstehung dieses Versuchsgutes Anfang der 30er Jahre im 20. Jahrhundert und illustriert dies mit vielen Fotos.

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Domäne Rengen als Urbarmachungs-Beispiel

Von Th. Remy, Bonn

Sonderdruck aus "Die Ernährung der Pflanze" Heft 9, Jahrgang 1935

Ein Stück Eifelödland urbar zu machen und so billig wie möglich in einen Grünlandversuchsbetrieb für die Landwirtschaftliche Hochschule Bonn-Poppelsdorf zu verwandeln war die Aufgabe, mit der das vorgesetzte Ministerium 1930 den Berichterstatter betraute. Die Ausführung begann mit eingehenden wirtschaftlichen Erwägungen, einer gründlichen Standortsprüfung und der Aufstellung eines Rahmenplans, der die Fertigstellung bis 1936 vorsah. Leider traten Verzögerungen ein, weil die in Aussicht gestellten Staatszuschüsse allmählich immer langsamer flossen und von 1933 ab überhaupt versiegten. Wenn trotzdem kein Entwicklungsstillstand eingetreten ist, so ist das der Verbindung mit dem Dikopshof zu verdanken, dem die beurbarten Flächen mit zugehörigem Besatz seit 1932 gegen die Verpflichtung zur Fortführung der begonnenen Arbeit überlassen wurden. Seit 1932 decken übrigens auch Einnahmen aus Rengen selbst steigende Anteile des für den Betrieb erforderlichen Aufwands.

Abb. 1

Rengen (Eifel) im Winter 1930 vor Beginn der Urbarmachung.

I. Wie es 1930 in Rengen aussah

Die zugewiesenen 75 ha Ödland liegen in 450-500 m Höhe nahe Daun im Bereich des oberen Liesertales zwar geschlossen, aber insofern ungünstig, als sich das Areal als unregelmäßiges schmales Band über nicht mehr als 2 km Längenausdehnung erstreckt. Nach Pflanzenbestand und Boden handelte es sich um eine von zwei Bachbetten zerklüftete, teilweise versumpfte Heide (Abb. 1) auf der Wacholder, Krüppelföhre, Heidekraut, Wollgras, sonstige Sauergräser, Simsen, Binsen, Schafschwingel, Borst- und rotes Straußgras ihr Dasein fristeten oder auch üppig gediehen.

Bei Beurteilung des Klimas verließen wir uns auf die Regenkarte von Polis, der die Niederschläge mit 800 bis 850 nun jährlich jedoch zu hoch angibt. Die Abweichung beruht auf der Lage Rengens im Regenschatten des Eifelkammes, aus dem genau westlich der Domäne der 700 m hohe Erreskopf hervorragt. Nach den bisherigen Erfahrungen dürfte mit 600-700 mm Regenfall zu rechnen sein. Auch diese Menge genügt für ergiebige Weiden, zumal sich die Niederschläge in Rengen auf dem Hintergrunde verhältnismäßig niedriger Temperaturen (Jahresdurchschnitt 6-7 C) und eines nicht ungünstigen Bodens auswirken. Immerhin hat uns bisher eigentlich noch jeder Sommer störende Dürre gebracht. Die Verwitterungsdecke ist aus Grauwacke, Grauwackensandstein, und Quarzit hervorgegangen. Ihrer bunten Wechsellagerung entsprechend ist der Boden auf kleinem Raum recht verschieden. Wo die Oberschicht durch Pflügen und Grubbern wiederholt gründlich gemischt ist, besteht sie heute aus sandigem und mittelschwerem Lehm. Darunter liegen bunt durcheinander eisenschüssige Sande und Tone, die alle mehr oder weniger mit Gestein durchsetzt sind, ohne daß letzteres die Beurbarung wesentlich erschwert hätte. Um kleinere Gesteinshalden sind wir einfach herumgegangen, auf geschlossenes Gestein bei der Abbohrung auf 1 m Tiefe nirgends gestoßen. An Humus und Pflanzennährstoffen war der Boden überall äußerst arm, dabei stark versauert. Die Wasserverhältnisse wechselten zwischen totaler Versumpfung und Trockenheit als Extremen. Unbedingt entwässerungsbedürftig war glücklicherweise nur die Hälfte der Gesamtfläche.

Ein zur nahen Lieser führendes Bachbett sicherte die Vorflut.

Alles in allem hielt Berichterstatter auf Grund dieses Befundes die natürlichen und technischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Urbarmachung für gegeben. Auch die Wege zum Ziel waren durch die Standortsprüfung schon einigermaßen vorgezeichnet. Wie wir uns mit den zahlreichen Einzelaufgaben abgefunden haben, werden wir gleich hören.

 

Abb. 2

Gestrüppbeseitigung leitete 1930 die Urbarmachung in Rengen ein.

Abb. 3

Sumpfige Stelle, an der sich nach der Gestrüppbeseitigung Wollgras fast in Reinkultur entwickelt

II. Wie Domäne Rengen wurde.

1. Allgemeine Kulturvorbereitung

Gestrüppbeseitigung (Abb. 2) und Entwässerung, Umbruch und Humifizierung, Entsäuerung und Nährstoffanreicherung waren die unumgänglichen Hauptstationen auf dem Weg zu Kulturland. In Rengen kam es natürlich nicht nur auf die einfache Urbarmachung von 75 ha Ödland, sondern darüber hinaus auch auf die Erfüllung gewisser Sonderaufgaben an, die einer hochschulverbundenen Versuchswirtschaft im Dienste des akademischen Unterrichts und der Landeskultur zufallen. Die Gestrüppbeseitigung bot keine Schwierigkeiten und erfolgte unter gelegentlicher Nachhilfe durch Feuer von Hand. Dabei blieben Schutzgebüsche und Baumgruppen im Hinblick auf das Landschaftsbild und den Witterungsschutz der Weidetiere im Rahmen des Möglichen erhalten. Durch Neupflanzung von Fichtengruppen wurde auch auf Ausfüllung von Lücken Bedacht genommen. Die Dränung (Abb. 3), die auf rund 40 ha beschränkt bleiben konnte, wurde nach einem vom Landeskulturamt in Düsseldorf aufgestellten Plan durch das Kulturamt Adenau eingeleitet und von uns selbst unter Beratung durch den Direktor des kulturtechnischen Instituts der Hochschule, Professor Heimerle, zu Ende geführt (Abb. 4). Während das Landeskulturamt bei der Entwässerung sehr systematisch vorging, beschränkten wir sie schon im Hinblick auf die Kosten streng auf die unbedingt entwässerungsbedürftigen Stellen und durch Anpassung der Strangentfernung auch auf das durch ihren jeweiligen Nässegrad gebotene Maß. Dadurch konnten die Kosten je Flächeneinheit um rund 50% gesenkt werden. Zudem hat sich die Beschränkung in den vergangenen trockenen Jahren recht günstig auf die Weideleistungen ausgewirkt.

Abb. 4

Dränung der sumpfigen Stellen als zweiter Schritt zur Urbarmachung in Rengen

Abb. 5

Ausbau des Vorfluters in Rengen

Der Umbruch (Abb. 8-9) wurde 1930 mit einem geliehenen Motorpflug in die Wege geleitet, wobei sich Schwierigkeiten nur dort ergaben, wo die Ausführung zeitlich mit den Dränungsarbeiten zusammenfiel. Es wäre eine Kleinigkeit gewesen, das ganze Areal im Sommer 1931 mit Motorpflug umzubrechen. Doch sollte überall gespart werden. Daher wurde die Urbarmachungsarbeit von 1931 ab als eine Art "Feiertagsaufgabe" dem Dikopshof zugewiesen. Er mußte in Ermangelung von Motorgerät mit seinen Gespannen in der zwischen Frühjahrsbestellung und Beginn der Getreideernte liegenden Zeit an seine Aufgabe heran. Die Ausführung verzögerte sich dadurch erheblich, ging aber glatt vonstatten. Geschlossener Heidekrautrasen wurde vor dem Umbruch durch Abbrennen möglichst zerstört. Wo es ausnahmsweise unterblieb, versagte die nachfolgende Gründüngung und Weideansaat. Mit dem Umbruch ging die Erstdüngung (Abb. 10) Hand in Hand. Sie mußte den Boden wenigstens einigermaßen entsäuern, mit P und K anreichern und vor allem auch genügend humifizieren. Letzteres stellte vor besondere Aufgaben, weil Stallmist vollständig fehlte und zu tragbaren Preisen nicht zu beschaffen war. Also mußte Gründüngung in die Bresche treten. Sachverständigen Rat für die Ausführung bekamen wir nirgends, wohl ein Zeichen dafür, daß wir in dieser Beziehung noch einiges lernen können. Um nicht ganz blindlings vorgehen zu müssen, wurden auf einem schleunigst hergerichteten Probefeld gelbe und schmalblättrige Lupine, Saat- und Zottelwicke, Peluschke und Weißklee auf ihre Eignung geprüft. Den Vogel schoß eindeutig die Saatwicke ab (Abb. 12). Ihrer Aussaat ging natürlich die erste Düngung mit Kalk, P und K voraus, die zwecks Vermischung mit dem Boden schon beim Umbruch mit eingepflügt wurden. Die Saat wurde mit Nitragin geimpft und bis spätestens Mitte Juni eingedrillt. Die Wicke brachte es bei einigermaßen gutem Wetter auf etwa 2 m Stengellänge, bedeckte dabei den Boden dicht und gab ihm hervorragende Schattengare.

Übersicht 1

1. Bodenreaktion

Bisherige Kalkzufuhr je ha
kg
Zahl der untersuchten Proben Prozentige Häufigkeit von pH-Werten Grenzwerte
unter 5,5 5,5 bis 5,9 6 bis 6,4 6,5 und mehr
Ohne 18 83 17 - - 4,1 bis 5,6
3000-4000 CaO als Branntkalk 60 44 32 22 2 4,7 bis 7,0

2. Neubauerwerte für Phosphorsäure*)

Bisherige P-Zufuhr je ha
kg
Zahl der untersuchten Proben Prozentige Häufigkeit von mg-Werten
unter 1 1 bis 1,9 2 bis 2,9 3 bis 3,9 4 bis 4,9 5 bis 5,9 6 und mehr
Ohne 18 50 33 11 - 6 - -
320-400 P2O5 als Thomasmehl 59 2 13 22 21 13 15 14

2. Neubauerwerte für Phosphorsäure*)

Bisherige Kalizufuhr je ha
kg
Zahl der untersuchten Proben Prozentige Häufigkeit von mg-Werten
unter 5 5 bis 9,9 10 bis 14,9 15 bis 19,9 20 und mehr
ohne 18 6 50 44 - -
200-460 K2O als 40er Kalidüngesalz 62 - 13 40 40 7

*) Aus den Feinerdegehalten auf Gesamtboden einschließlich Gestein umgerechnet.

Das Einpflügen geschah im Herbst, worauf zum zweiten Mal mit Kalk, P und K gedüngt wurde. 1933 wurde die Humifizierung probeweise auch in der Weise versucht, daß die natürliche Rasennarbe einfach umgebrochen, durch sommerliche Brachbearbeitung zerkleinert und zur Zersetzung gebracht wurde. Wo die Wildflora aus weicheren Pflanzen bestand und verhältnismäßig üppig war, hat sich das durchaus bewährt, während der Weg für Stellen mit dürftigem und heidekrautreichem Rasen überhaupt nicht in Betracht kommt.

Abb. 6

Das erste und bis Ende 1931 einzige "Wirtschaftsgebäude".

Abb. 7

Vorbereitung einer Behelfsweide mit dem Wiesenhobel (Rengen).

Umbruch, Auflockerung, Mischung und Humifizierung des Bodens schufen in Verbindung mit den naturgegebenen Boden- und Klimavoraussetzungen zunächst das Gefäß, in dem der Erntetrank bereitet werden sollte. Die Füllung mußten die Handelsdünger liefern. Der Rengener Erfolg ist eigentlich ein hohes Lied auf den Kunstdünger. Darin liegt beileibe keine Unterschätzung des Stallmistes. Leider stand uns von dem edlen Stoff auch nicht eine Fuhre zur Verfügung. Die Ankurbelung mußte also allein mit Kunstdünger bewirkt werden. Und es ging trefflich. Um bei seiner Anwendung nicht ganz blindlings vorgehen zu müssen, wurde der Boden 1930 und 1933 an zahlreichen Stellen auf Kalk, Kali und Phosphorsäure untersucht.

Der letzte Befund, der sich grundsätzlich vollauf mit dem ersten deckt, sei in Übersicht 1 durch einige Zahlen umrissen. Sie beziehen sich auf Proben, die Oktober 1933 in 0-25 cm Tiefe entnommen wurden. Der ungedüngte Boden war also überall sauer und ganz überwiegend arm an P und K. Die Wirkung der bis 1932 verabfolgten Düngung ist zwar unverkennbar. Sie hat aber die Gehalte auf dem größten Teil der Fläche noch nicht auf die erwünschte Höhe gebracht. Gern hätten wir die Düngergaben aus Sparsamkeitsgründen der Gehaltslage der Geländeabschnitte angepaßt. Das ging aber nicht, weil die hohen und niedrigen Gehalte ganz ungleichmäßig über die Fläche verteilt waren. Allmählich beginnen sich aber im Gesamtareal Inseln mit überwiegend Plus- und Minusabweichungen abzuheben, so daß sich die Düngergaben künftig in Anlehnung an die Gehaltszahlen vielleicht doch etwas abstufen lassen. Es soll wenigstens versucht werden. Einstweilen aber wird, von versuchsmäßigen Abweichungen abgesehen, überall nach folgendem Plan gedüngt:

Nährstoff

kg/ha

beim Umbruch beim Gründüngungs-einpflügen fernere Jahre
Kalk als Brandkalk 2000 1600 400
P2O5 als Thomasmehl 160 160 80
K2O als 40er Kalidüngesalz 200 160 100
Stickstoff (meist als salzs. Ammoniak) - 0-40 40-60

* im Text als "laufende Düngung" bezeichnet

Abb. 8

Umbruch bereits entwässerter Domänenteile (Rengen).

Abb. 9

Umbruch an einer noch nicht entwässerten sumpfigen Stelle

An die Vorratsdüngung im ersten und zweiten Jahr schließt sich vom dritten Jahr ab eine dem Bedarf der Pflanzen in etwa angepaßte PK-Düngung an. Ob die gewählten Mengen richtig waren, muß dahingestellt bleiben. Benutzt man den Pflanzenwuchs als Anhaltspunkt, so kann man mit dem Erfolg zufrieden sein. Daneben gibt uns auch die Zusammensetzung des Weidefutters, das wir seit 1933 ständig auf Gehalt an Eiweiß und Mineralstoffen prüfen, schätzbare Winke. In anderem Zusammenhang ist davon noch eingehender die Rede. Hier sei nur festgestellt, daß 1933 die Kaligehalte des Weidegrases etwas über, die Kalkgehalte nahe der Norm, die P-Gehalte etwas unter derselben lagen. Die P-Gaben wurden infolgedessen seitdem etwas verstärkt, während es im übrigen beim bisherigen Maß bleibt. Außerdem wird versucht, die P-Vorratsdüngungen durch tiefere Einbringung und sorgfältigere Vermischung mit dem Boden zu erhöhter Ausnutzung zu bringen.

S t i c k s t o f f  wird zur Gründüngung überhaupt nicht gegeben. Die Folgepflanze, der ja der Gründüngungsstickstoff zur Verfügung steht, bekommt keinen oder wenig Stickstoff. Zur Weide werden z. B. bei der Neuansaat je nach der Stärke der Gründüngung 0-40, zu Ackergewächsen nach Gründüngung 40-60 kg/ha Stickstoff gegeben. In den Folgejahren haben die Koppeln bislang 50-60 kg/ha N bekommen. Zweifellos werden aber auch größere Gaben bei richtiger Verteilung auf den Weiden recht gut zur Geltung kommen. Bisher wurde auf den Weiden ohne allzu strenge Bindung die Hälfte des Gesamtstickstoffs bei beginnender Vegetation und je ein Viertel im Mai und Juli gegeben. Für eine bestimmte Stickstoffform haben wir uns noch nicht entschieden. Die Reaktionslage des Bodens weist auf alkalische und physiologisch-alkalische Formen, die Preislage auf salzsaures Ammoniak hin. Der niedrige Preis hat einstweilen den Ausschlag zugunsten des letzteren gegeben. Ausprobiert sind daneben aber Kalkstickstoff, Kalkammon, Kalkammonsalpeter und Leunasalpeter, die ausnahmslos ihre Schuldigkeit getan haben, ohne jedoch dem salzsauren Ammoniak greifbar überlegen gewesen zu sein.

An S t a l l m i s t  fehlte es, wie schon gesagt, bis 1932 vollständig. Seitdem fallen schnell steigende Mengen aus der eigenen Viehhaltung an. Auf den Koppeln werden die festen Ausscheidungen der Weidetiere nicht nur beim Koppelwechsel durch Fladeneggen, sondern auch fortlaufend mit der Fladenschaufel verteilt. Daneben wird in den Schutz- und Überwinterungsställen Stallmist gewonnen. Die Menge mag 1934/35 frisch etwa 9000-10 000 Ztr. betragen, die als Düngergrundlage sichtbar gute Dienste für die Weidebefruchtung leisten. Schon heute kann damit etwa ein Viertel der Weidefläche leicht abgedüngt werden; in Zukunft hoffen wir alle 3 Jahre mit dem Stallmist herumzukommen.

Abb. 10

Erstes Düngerstreuen auf Flächen, die nach Umbruch Gründüngung tragen sollen.

Abb. 11

Abfassung einer Quelle, an deren Stelle unterdessen eine Behelfstränke getreten ist

2. Ausführungsverfahren

Man kann den in II 1 dargelegten Grundforderungen in verschiedener Weise gerecht werden. Einen "einzig richtigen" oder gar "einzig möglichen" Weg gibt es in der Bodenkultur überhaupt nicht. Stets stellen sich mehrere Möglichkeiten zur Wahl, die alle Ihre Licht- und Schattenseiten haben. In welcher Weise Berichterstatter zum Ziele zu kommen versuchte, zeigt Übersicht 2.

Übersicht 2

Kultivierungs-
jahr
Über Behelfsweide hinweg zu Kulturweide Ohne Umweg zu Kulturweide oder Ackerland
I II III IV
1. Durch Kalkung und PK-Düngung, Schleppen, Beseitigung von Heidekraut und sonstigen Unkräutern durch Abbrennen und Mähen wird die natürliche Rasennarbe langsam verbessert und dann als Weide genutzt Umbruch, erste Kalk-, P-, und K-Düngung
2. Ansaat von Saatwicke zur Gründüngung. Beim Einpflügen zweite Kalk-, P- und K-Düngung Zweite Kalk-, P- und K-Düngung, dann sommerliche Brachbearbeitung
3. Weideansaat 20-40 kg/ha Stickstoff Kartoffeln, Futterüben, Getreide, 40-60 kg/ha Stickstoff Weideansaat, 20 kg/ha Stickstoff
4.

*)

Weideansaat in laufender Düngung Wiederholte Gründüngung oder Anbau anderer in Stallmist stehender Gewächse in laufender Düngung *)
5. *) *)

Weideansaat in laufender Düngung

*)
6. *) *) *) *)

*) Kulturweide soweit fertig, daß sie nur noch der laufenden Pflege und Düngung bedarf.

Die Aufzählung erschöpft durchaus nicht alle Möglichkeiten, sondern beschränkt sich auf die von uns ausprobierten, denen sich 1935 noch weitere anschließen werden. Welche Vor- und Nachteile sie haben und wie diese je nach Voraussetzungen und Zielen ins Gewicht fallen, sei mindestens angedeutet.

Abb. 12

Rechts Saatwicke zur Gründüngung, die links bereits eingepflügt ist. Der Boden ist einstweilen noch äußerst roh und unausgeglichen

Abb. 13

Stelle, an der die Gründüngung infolge Einpflügens von Heidekraut mißraten ist

Behelfsweide

So sind die Flächen genannt, die ohne Umbruch und Ansaat nur durch pflegliche Behandlung der vorhandenen Rasennarbe in Weide überführt wurden. Es geschah durch Befreiung von Gestrüpp, Verabfolgung der auf Seite 10 angegebenen Kalk-, P- und K-Gaben, Abmähen des Heidekrauts und sonstiger leicht faßbarer Schadpflanzen, Bearbeitung mit Wiesenhobel (Abb. 7), Schleppe und Fladenegge. Von einer Stickstoffdüngung wurde abgesehen, um dem Klee das Übergewicht über die stark vertretenen, aber durchweg schlechten Nichtleguminosen zu geben. Der Klee entwickelte sich vielerorts stark und lieferte bei ausreichendem Regenfall auch gute Weide. Der Weg ist billig, führt schnell zum Ziel und bereitet dabei den Boden gleichzeitig schon auf seine Bestimmung als Kulturweide vor. Dem stehen als Nachteile gegenüber, dass

 

a)  sich der Pflanzenbestand nur schrittweise und nicht über bescheidene Grenzen hinaus verbessern läßt,

b)  die Weideleistungen weit hinter denen der Kulturweiden zurückbleiben,

c)  die Anlage überhaupt nur für jene Flächen in Betracht kommt, die schon von Natur einen verhältnismäßig günstigen Pflanzenbestand aufweisen,

  

Die Schwierigkeit, Behelfsweiden auf einen hohen Kulturzustand zu bringen, beruht vor allen Dingen darauf, daß der Untergrund ohne Bearbeitung roh, ungemischt und sauer bleibt und von der auf den Kopf gegebenen Düngung wenig abbekommt. Die Wurzeln gehen daher nicht recht in die Tiefe, was schlechte Nährstoffausnutzung und große Dürreempfindlichkeit des Anwuchses zur Folge hat. Für uns ist die Behelfsweide nur ein Übergang, der möglichst bald durch Kulturweide abgelöst wird und heute bereits auf 6 ha zurückgegangen ist.

 

Ku1turweiden.

Zu solchen gelangten wir nach Ausweis der Übersicht 2 (siehe Seite 14) auf folgenden vier Wegen:

 

  1. Dem Umbruch folgt vor Winter die erste Düngung mit Kalk, Thomasmehl und Kalisalz, nach Winter Gründüngung, die im Herbst nach erneuter Düngung eingepflügt wird und den Boden mit Humus und Stickstoff befruchtet. Im zweiten Frühjahr werden in den saatfertigen Acker je Hektar 20 kg deutsches Weidelgras, 5 kg Wiesenrispe, 7 kg Rotschwingel und 8 kg Weißklee eingesät, die sich unter dem mitbestimmenden Einfluß einer bescheidenen Stickstoffdüngung glänzend zu entwickeln und spätestens von August ab Weide oder Mähfutter zu liefern pflegen. Diese Samenmischung kommt nicht von ungefähr, sondern ist auf Grund von Bestandesaufnahmen auf kultivierten Flächen der Umgebung und unter Berücksichtigung eines Probeanbaus von Gras- und Kleearten auf einer vorauseilend hergerichteten Feldecke zustande gekommen. Die Mischung hat sich bis jetzt so gut bewährt, daß wir sie bis auf gelegentliche kleine Abänderungen beibehalten haben. Bei diesem Verfahren kommt man schnell und billig zu Weide, muß aber in Kauf nehmen, dass die Rasennarbe bei der Weideansaat noch wenig zersetzt und infolgedessen ein höchsten Ansprüchen gerecht werdendes Saatbett nicht herzustellen ist. Das ist ein Verstoß gegen die Schulregel. Um schnell zu Weide zu kommen, haben wir in dieser Weise trotzdem 26 ha Weiden geschaffen, die wegen einer gewissen Unebenheit äußerlich nicht ganz befriedigen, bisher aber hervorragend ergiebig gewesen und von Jahr zu Jahr besser geworden sind. Bei etwaigen Rückschlägen sollen diese Flächen einfach wieder umgebrochen, vorübergehend als Acker genutzt und dann schulgerecht endgültig in Kulturweide zurückverwandelt werden. Einstweilen liegt dazu aber keine Veranlassung vor.

Abb. 14

Hochsommerüberraschung. Mitte Juli ist der Boden dick überreift.

 

Abb. 15

Wirtschaftsgebäude im Jahre 1933. Rechts: Geräte- und Düngerschuppen, links: Weidewärterwohnung mit Stallungen und Heuboden. Davor überdachte Dungstätte.

  1. Abweichend vom vorbeschriebenen Verfahren folgen der Gründüngung zunächst Hackfrüchte, die der Weide den Weg ebnen helfen. Bis zu ihrer Ansaat hat sich die Rasennarbe schon leidlich zersetzt, was die Herrichtung eines einwandfreien Saatbettes erleichtert. Die Kosten der Zwischennutzung werden durch den Ertrag der Ackergewächse gedeckt. Man erhält aber erst im dritten Jahr nach dem Umbruch Weide.

     
  2. Um der Schulforderung noch näher zu kommen, folgt auf die nach Verfahren 2 gebauten Hackfrüchte nochmals Gründüngung und dann erst die Weideansaat, die natürlich in tadellos vorbereiteten Boden gelangt. Die Weide wird aber erst im vierten Jahr nach dem Umbruch fertig und zusätzlich durch die Kosten der zweiten Gründüngung belastet. Die Verfahren 2 und 3 lassen sich übrigens auch leicht kombinieren, indem der zweiten Gründüngung nochmals Hackfrucht und dieser erst die Weideansaat folgt.

     
  3. Der vierte Weg weicht grundsätzlich insofern ab, als unter Verzicht auf Gründüngung die zerstörte Rasennarbe zur Humifizierung des Bodens Verwendung findet. Zu dem Zweck wird im Spätherbst und Sommer umgebrochen, die Rasennarbe im nachfolgenden Sommer durch Brachbearbeitung zerstört, vor Winter flach eingepflügt und im nächsten Frühjahr Weide angelegt. Dadurch spart man die Kosten der Gründüngung und kommt schon im zweiten Jahr nach dem Umbruch zu guter und billiger Weide. Der Weg hat sich dort bewährt, wo eine verhältnismäßig üppige und weiche Wildvegetation eingepflügt werden konnte, während er bei dürftigem oder hartem Wildpflanzenbestand nicht in Betracht kommt.

 

Auf allen Wegen sind in Rengen beste Kulturweiden entstanden. Eine Wertabstufung rechtfertigen die bisherigen Beobachtungen nicht. Nur äußerlich stehen die nach Verfahren 1 entstandenen Anlagen vielleicht etwas zurück, in den Leistungen befriedigen sie ebenso wie alle übrigen. Für weitere Verbesserungen im Umwandlungsverfahren bleibt übrigens Raum genug. Jeder Tag bringt uns neue Lerngelegenheit und damit Anregungen zur Verbesserung der Arbeit. Die Ackernutzung kann übrigens zeitlich beliebig ausgedehnt oder auch dauernd beibehalten werden. Die Zweckdienlichkeit eines erweiterten Ackerbaues mag hier unerörtert bleiben. Als Ackergewächse wurden in Rengen bisher außer Saatwicke zur Gründüngung Sommergerste, -roggen und -hafer, Weiß-, Rot- und Schwedenklee, Kartoffeln, Kohl- und Wasserrüben mit Erfolg angebaut. Die Ernten stellten sich durchschnittlich auf 25-30 dz Körner, 200-250 dz Spätkartoffeln und 40-50 dz Kleeheu je Hektar. Der im Herbst 1934 für 1935 ausgesäte Weizen und Rübsen steht einstweilen gut. Vom Rübsen wurde bis

Ende Dezember ein Teil mit bestem Erfolg auch grün verfüttert; nach Winter hoffen wir die Rübsengrünfütterung fortsetzen zu können. Daß sich die Ackererträge nach einigen Jahren noch über die angegebenen Grenzen hinaus steigern lassen und dann nicht mehr allzuweit hinter der rheinischen Flachlandnorm zurückbleiben werden, ist kaum zweifelhaft.

 

Abb. 16

Weidestall für 60 bis 70 Rinder in Rengen. Der Weidestall überdeckt 240 qm Fläche und ist mit Stroh gedeckt. Knüppelwände bis zur halben Höhe gewähren ausreichend Schutz gegen Winde, ohne die ständige ausgiebige Lufterneuerung zu beeinträchtigen.

 

Abb. 17

Strohdecker bei der Arbeit auf dem Weidestall.

III. Stand der Dinge Ende 1934.
 

Wie weit das Werk bis heute gediehen ist, zeigt Übersicht 3. Es wurde schon gesagt, daß die preußische Domänenverwaltung ihren Rengener Besitz seit 1933 dem Dikopshof zur Urbarmachung und Nutzung überlassen hat. Alle Staatszuschüsse sind seitdem fortgefallen,

Übersicht 3

Jahr Ödland
unberührt
ha
In Kultur-
vorbereitung
genommen
ha
Fertig ha Sonstiges
ha*)
neben Gestrüppbeseitigung und Umbruch im Vordergrund stehende Arbeiten
Behelfs-
weide
Kultur-weide Acker
1930 65 10 0 0 0 - Vorflutbeschaffung und Dränage von 30 ha
1931 55 17 0 0 0 3 Dränage von weiteren 10 ha. Humifizierung durch Gründüngung, P-, K- Kalkdüngung der umgebrochenen Flächen
1932 28 23 10 10 1 3 Fortsetzung der Urbarmachung, Errichtung der notwendigsten Gebäude, erste Weideansaat und Nutzung
1933 20 13 8 25 6 3 Fortführung der Urbarmachungs- und Kulturarbeiten, Einzäunung der Koppeln, Ausbau des Weidebetriebes
1934 14 9 6 28 15 3

*) Hofraum, Wege, Gräben, Schutzgebüsch, u.ä.

was zur Folge hatte, daß nunmehr kurz getreten und das Arbeitstempo mit dem Dikopshofer Können in Einklang gebracht werden mußte. Von unvorhergesehenen Hindernissen abgesehen, wird die Gesamtfläche

trotzdem in zwei Jahren ziemlich restlos der Kultur zugeführt sein. Das äußere Bild Rengens hat sich seit 1930 durchgreifend gewandelt. Besser als Worte zeigen das unsere Bilder (Abb. 1-35). Wo 1931 im Sommer etliche Dutzend Rinder für einige Tagesstunden dürftige Hutung fanden, wurde 1934 bereits reichlich Weide für 80-90 Rinder und Fohlen, außerdem Winterfutter für 35 Rinder, Ochsen und Fohlen und das Jahresfutter für zwei Arbeitspferde gewonnen. Dikopshof brauchte 1934 überhaupt nur mit Stroh und etwas Zuckerschnitzeln auszuhelfen, erhielt dafür aus der Rengener Ernte aber rund 600 Ztr. Heu und 1200 Ztr. Kartoffeln. Für die nächsten drei Jahre kann mit je einem Drittel Mehrerzeugung, bis 1936 also mit einer Verdoppelung der 1934 erzielten Ernten gerechnet werden. Jedenfalls hat das bisherige Ergebnis die ersten Erwartungen weit übertroffen.  Betriebsschwierigkeiten ergeben sich aus dem ganz unzulänglichen Gebäudebesatz. Er zwingt dazu, Vieh, Futter und Erzeugnisse, die an sich viel besser an Ort und Stelle bleiben würden, ständig zwischen

Rengen und dem 100 km entfernten Dikopshof spazieren zu fahren und dafür viel Geld unnütz auszugeben. Durch Errichtung einiger billiger Behelfsbauten, die sich bei etwaiger Lösung des Nutzungsvertrages abbrechen und nach Dikopshof überführen lassen, ist notdürftig Abhilfe geschaffen. Befriedigen kann aber der heutige Zustand um so weniger, als der Raumbedarf für die nächsten Jahre der Ernte und Weideviehzahl

entsprechend steigen wird.

Abb. 18

In ein Bachbett eingebaute Behelfstränke.

 

Abb. 19

Hochbetrieb in Rengen im Mai 1932. Dikopshofer Gespanne, die nach Erledigung der Frühjahrsbestellung nach Rengen geworfen sind, um dort die Bestellungsarbeiten mit der gebotenen Bschleunigung zu erledigen.

 

IV. Rengener Weidebeobachtungen.
 

Vor drei Jahren zog das erste Dikopshofer Weidevieh in Rengen ein. In so kurzer Zeit kann man zwar keine abschließenden Weideerfahrungen, aber doch mancherlei lehrreiche Beobachtungen machen. Da sie geeignet sind, die Kulturbeobachtungen zu ergänzen und abzurunden, sei für diejenigen, die den bisherigen Ausführungen aufmerksam gefolgt sind, auch einiges über Rengener Weideerlebnisse wiedergegeben. Angeknüpft sei dabei an Übersicht 4, deren Zahlen sich überwiegend auf exakter Ermittlung, mehrfach aber auch auf Schätzung stützen. Eine ungefähre Vorstellung von den Weideleistungen gibt die Übersicht jedenfalls. Der erste Weideerfolg ist in Anbetracht des Umstandes, daß Rengen bis 1931 Ödland im schlimmsten Sinne des Wortes war, durchaus ermutigend. Selbstverständlich muß man dem Lebendgewichtszuwachs unter Ziffer 4c die Heuerträge zuzählen, wenn man die Gesamtleistungen der futterliefernden Flächen erfassen will. Setzt man für je 30 kg Heu 1 kg Lebendgewichtszunahme ein, so würde die Leistung 1932 auf 249, 1933 auf 335, 1934 auf 304 kg Zuwachs je Hektar Vollweide steigen. Die Jahresdurchschnitte sind aber aus sehr heterogenen Einzelleistungen entstanden und bekommen daher erst auf dem Hintergrund der jeweiligen Voraussetzungen Leben. Deshalb sei nachfolgend eine Aufhellung des Hintergrundes für die einzelnen Weidejahre versucht.

Weidejahr 1932

Gruppe

Tageszunahme je Weidetier g

Minimum Maximum Durchschnitt
1. Schwarzbuntes Niederungsvieh vom Dikopshof

a) Rinder
+53 +624 +394
b) Ochsen +333 +687 +519
2. Anderthalbjährige Fohlen belgischer Rasse vom Dikopshof +447 +653 +542
3. Eifeler Glanochsen, zusammengekauft -700 -11 -390

 

Übersicht 4 Weideleistungs-Nachweis

Jahr 1932 1933 1934 Erläuterungen
 1. Auftrieb
 a) Rindvieh
     Stück
 b) Fohlen
 c) Lebendgewicht Kg
 d) umgerechnet auf  
     Großvieheinheiten zu 500 kg


51
4
20575

41,2


50
9
20897

41,8


80
7
30975

62,0
Gewicht durch Verwiegung der nüchternen Tiere am Tage vor dem Abtransport auf Dikopshof od. bei Kaufochsen einige Tage nach der Ankunft in Rengen festgestellt. Für 1932 in Ermangelung einer eigenen Waage das auf amtlicher Waage festgestellte Kaufgewicht eingesetzt
 2. Grünlandfläche ha
     (auf Vollweide umgerechnet)
8,8 20,5 28,8 Darauf ein- und mehrjährige Weide und Klee voll, Behelfsweide halb, Neuanlage zu einem Drittel, Hutung zu einem Zehntel angerechnet
 3. Zahl der Weidetage
 a) insgesamt
 b) je ha Vollweide

5393
613

7025
343

10796
375
Produkt aus Weidetagen und Großvieheinheiten zu 500 kg Lebendgewicht
 4. Gewichtszunahme der Weidetiere
 a) insgesamt kg
 b) je Weidetag g
 c) je ha Vollweide kg

2014
373
229

4903
698
240

6955
644
242
Verwiegung wie oben nach Rückkehr auf Dikopshof, bei den in Rengen überwinterten Tieren in Rengen
 5. Großvieheinheiten je ha
 (auf 180 Weidetage umgerechnet)
3,4 1,9 2,1 ---
 6. Zusätzliche Heugewinnung
 a) dz/ha
 b) ausreichend für Weidetage

6
40

8
53

28
187
Heu, teils auf den Koppeln, teils auf Kleebeschlägen gewonnen, Beschaffenheit stets gut bis sehr gut
 7. Aus Summe von 5 und 6b 
 berechnete
 a) Zahl der Weidetage je ha
 b) Zahl der je ha für 180 Tage 
 ernährten Großvieheinheiten


653

3,6


396

2,2


562

3,1
6b auf Grund eines Tagesverbrauchs von 15 kg Heu je Großvieheinheit berechnet
 8. Witterung Sehr günstig Früh günstig, Juli bis September sehr trocken, Weide für etwa zwei Monate stark ausgebrannt Ende Mai bis Ende Juli sehr trocken, im Spätsommer und Herbst günstig Nach betriebseigenen Wetterfeststellungen

 

Wetterlich war das Jahr 1932 hervorragend. Die Weidefläche bestand zunächst nur aus Behelfsweide, zu welcher erst von August ab 10 ha neu angelegte und hervorragend üppige Kulturweide traten. Die Gruppen 1 und 2 weideten vom 1. Juni bis Mitte Oktober, die Ochsen der Gruppe 3 nur vom 2. August bis 15. Oktober. Die Ochsengruppe ist infolgedessen nicht ohne weiteres vergleichbar, zumal ihr Auftriebgewicht beim Ankauf

auf öffentlicher Waage festgestellt werden mußte. Ob die Tiere dabei so "nüchtern" waren wie die von uns selbst gewogenen, ist fraglich. Immerhin sprach schon das äußere Aussehen der Ochsen für einen Rückgang, der beim Dikopshofer Vieh nicht wahrzunehmen war, worauf das verschiedene Verhalten beruhte, wird gleich zu erörtern sein.

Weidejahr 1933

Gruppe

Tageszunahme je Weidetier g

Minimum Maximum Durchschnitt
1. Dikopshofer Rinder 511 968 713
2. Ostpreußische Ochsen 244 1000 638
3. Dikopshofer Fohlen --- --- 319


Das Wetter war zunächst recht gut, im Sommer aber so trocken, daß das Futter vorübergehend etwas knapp wurde. Der Auftrieb erfolgte bereits am 4. Mai, der Abtrieb allgemein am 24. Oktober, so daß die geschlossene Weidezeit 174 Tage umfaßte. 15 in Rengen überwinternde Rinder blieben bei Nachtfütterung und -aufstallung sogar bis Anfang Dezember auf der Weide. Die gute Zunahme des Rindviehs ist zweifellos

darauf zurückzuführen, daß es ganz überwiegend aus weidegewöhnten, abgehärteten Tieren bestand. Bei den Fohlen befriedigte der Weideerfolg nicht, weil verschiedene von ihnen rachitisch erkrankten und nach

kurzer Weidezeit zur Kur nach Dikopshof zurückgebracht werden musste. In anderem Zusammenhang ist davon noch die Rede.

Weidejahr 1934

Gruppe

Tageszunahme je Weidetier g

Minimum Maximum Durchschnitt
1. Dikopshofer Rinder 200 431 319
2. Zugekaufte Eifelochsen 111 795 508
3. Dikopshofer Fohlen 222 511 427


Der Sommer brachte wieder große Trockenheit, an Futter fehlte es aber nie. Die Monate August bis Oktober waren ungewöhnlich schön und warm. Der Auftrieb erfolgte Ende April bis Mitte Mai, der Abtrieb Mitte Oktober bis Mitte November, so daß die geschlossene Weidezeit rund 180 Tage umfaßte. Die in Rengen überwinternden 35 Rinder und Fohlen waren bis in den Januar 1935 hinein über Tag ständig draußen, konnten sich also auch im Winter gründlich auslüften und einen ansehnlichen Teil der Tageskost selbst verdienen.

Abb. 20

Die ersten Rengener Kohlrüben. Sommer 1932.

 

Abb. 21

Erste Heugewinnung auf Kulturweide in Rengen. Sommer 1932.

Daß das Weideergebnis 1934 hinter dem des Vorjahres abfiel, dürfte vornehmlich auf einer infektiösen Flechtenerkrankung beruhen, die alles Rindvieh von Ende August ab ergriff und das Wohlbefinden der Tiere vorübergehend wahrnehmbar beeinträchtigte. Darauf dürfte der aus nachfolgenden Zahlen ersichtliche scharfe Einschnitt in der Lebendgewichtszunahme der Ochsen vornehmlich zurückzuführen sein.

 

Ochsen

Tageszunahme je Haupt g

13.4. bis 17.8 17.8. bis 31.10
Gruppe A 833 299
Gruppe B 506 171
Gruppe C 632 246
Gruppe D 961 197
Durchschnitt von 43 Tieren 755 235

 

Daß die herbstliche Witterung, die dort oben schon früh empfindliche Kühle bringen kann, den Einschnitt herbeigeführt hat, ist wenig wahrscheinlich, weil der Herbst 1934 selten schön und mild war, die Weidetiere dazu zur Zeit der kühlen Nächte nachts aufgestallt werden und bei den in Rengen überwinternden Tieren nach Heilung von der Flechte wieder ein ansehnlicher Zuwachs zu verzeichnen war. Wir haben aus diesen und zahlreichen anderen Beobachtungen, deren Wiedergabe den Rahmen einer Zusammenfassung überschreiten würde, unsere Nutzanwendungen längst gezogen und diese einstweilen zu folgenden Richtlinien für den Rengener Weidebetrieb verdichtet:

 

  1. Da nach Ausweis der Seite 22 und 24 wiedergegebenen Zahlen die Weideleistungen je nach Art der aufgetriebenen Tiere enorm schwanken, muß nächst der Obsorge für gute Weide der richtigen Auswahl, Vorbereitung und Pflege der Weidetiere größte Aufmerksamkeit zugewandt werden.
     

  2. Wenn man in einem größeren Weidebetrieb stets auch einzelne Versager unter dem Weidevieh in Kauf nehmen muß, so kann man ihren Anteil am Gesamtauftrieb doch stark zurückdrängen
     

  3. Unter den Mitteln zum Zweck steht die Auswahl weidegewöhnter Tiere an der Spitze. Die Rasse tritt, wenn man sich bei der Auswahl nicht stark vergreift, demgegenüber stark zurück.  Wenn das Dikopshofer schwarzbunte Niederungsvieh und die schwarzbunten ostpreußischen Ochsen bis auf einige vermutlich nicht ganz gesunde Tiere durchweg gut weideten, so beruht das zweifellos darauf, daß sie durch Gewöhnung von Jugend auf, kühle und luftige Winterstallung sowie regelmäßige Tagesweide systematisch auf Weidegang vorbereitet waren.

Abb. 22

Leben an der Behelfstränke (siehe Abb. 18): Vorn schwarzbunte Dikopshofer Rinder, hinten rechts Eifeler Kühe auf Domänenteilen, die den Bauern als Hutung freigegeben sind. Sommer 1933.

Abb. 23

Dikopshofer Vieh auf Kulturweide in Rengen. Sommer 1933.

Die auf den Eifelmärkten zusammengekauften Glanochsen verhielten sich grundverschieden. Eine besonders herbe Enttäuschung erlebten wir mit den 1932 aufgekauften Glanochsen (s. S. 22). Auf sie hatten wir besonders große Hoffnungen gesetzt, weil sie in der nächsten Umgebung von Rengen aufgewachsen, infolgedessen "milieugewöhnt'' waren und von uns auch für abgehärtet gehalten wurden. Letzteres war ein Denkfehler, weil die Tiere in der Gegend nicht regelrecht geweidet, sondern gehütet werden. Die Hutung beschränkt sich auf die Monate Mai bis Oktober und innerhalb dieser Zeit auf einige Vor- und Nachmittagsstunden. Über Nacht und in der Mittagshitze kommt das Hutungsvieh in den Stall, den es in den kälteren Jahreszeiten überhaupt nicht verläßt. Die Ställe sind dabei dunkel, eng und dumpf und werden etwa von November bis März noch dazu durch Zupacken der Türen mit Mist ängstlich gegen den Zutritt kalter Luft geschützt. Kein Wunder, daß dabei verweichlichte und für Weidegang wenig brauchbare Tiere entstehen.

Abb. 24

Dikopshofer Vieh auf Behelfsweide in Rengen. Sommer 1933.

Wir hatten außerdem den Eindruck, daß die Eifeler Ochsen sich in Rengen erst langsam an das eiweißreiche Weidefutter gewöhnen mußten. Das Gesagte gilt aber keineswegs allgemein für das Eifeler Glanvieh. Wir haben 1934 wiederum 43 Ochsen dieser Rasse gekauft. Der Tageszuwachs für das Jahr schwankte zwischen 111 und 795 g je Kopf, je nach der Marktherkunft zwischen 360 und 565 g im Gruppenmittel. In der Schar waren also zwischen gering- und hochwertigen Weidetieren als Extremen alle Übergänge vertreten.

Abb. 25

Vieh beim Weidestall. Sommer 1933.

 

Abb. 26

Rindvieh im Schutzgebüsch. Sommer 1933.

  1. Bei der in Ziffer 3 geschilderten Sachlage erhebt sich die Frage, wie man sich weidegewöhntes Vieh verschaffen kann. Bei eigener Aufzucht ist das nicht schwer. So werden auf Dikopshof wie in zahlreichen anderen Viehbetrieben die Tiere durch Weidegang von Jugend auf kühle Winteraufstallung, winterliche Tagesweide und nicht zu reichliche Winterfütterung systematisch auf den Weidegang vorbereitet. Wie hart das Vieh dabei wird, zeigt die Tatsache dass die Dikopshofer Rinder und Fohlen in Rengen bis Mitte Januar 1935, Tag für Tag bis zu 7 Stunden auf der Weide sind und sich dort neben reichlich frischer und kühler Luft noch einen ansehnlichen teil des Rauhfutters holen. Bestimmt nicht zum Schaden, sondern zum Nutzen für die Gesundheit. Muß man kaufen, so tue man es möglichst von der Weide weg. Wer auf den Markt angewiesen ist, sollte Plätze bevorzugen, in deren Umgebung Dauerweide allgemein üblich ist. Die Eifeler Märkte verhalten sich in dieser Beziehung recht verschieden, und darauf beruhen wohl die auf S. 26 aufgeführten großen Zunahmeunterschiede der nach Marktherkunft zusammengestellten Gruppen.
     
  2. Nächste dem Auftrieb geeigneter Tiere ist für den Weideerfolg auch  deren pflegliche Behandlung mitbestimmend. Im Mittelpunkt derselben steht der Weideschutz des Viehs. Dazu gehören im Höhengebiet vor allen Dingen auch Weideställe. Sie müssen billig sein, von den Tieren gerne aufgesucht werden und ihnen genügend Schutz gegen Bremsen, Dasselfliegen und Witterungsunbilden gewähren. Nach Vorbildern haben wir vergeblich gesucht und uns infolgedessen 1932 den in Abb. 16 dargestellten strohgedeckten Weidestall selbst zusammengezimmert. Er gewährt bei 240 Geviertmeter Fläche 70-100 Rindern (je nach Größe) Unterstand, wird von den Tieren seiner Luftigkeit wegen gern aufgesucht und kostet nur 1200 RM. Der Stall hat sich so bewährt, daß wir dabei sind, ihn als Vorbild für einen zweiten Weidestall zu benutzen, der sich nach Abschluß der Hauptweidezeit in einfachster Weise in einen Überwinterungsstall für 50 Rinder umwandeln läßt und dabei nicht mehr als 3500 RM kosten darf. Dem Wohl der Weidetiere dienen auch einige Walddickichte, Schutzgebüsche, Baumgruppen und Einzelkiefern, die Schutz gegen Wind, Kälte und Sonnenbrand gewähren, ohne den Tieren die frische Luft zu entziehen. Die Weidetiere leiden in der Eifel stark unter Rinderbremsen und Dasselfliegen. Jene beunruhigen das Rindvieh im Sommer und beeinträchtigen dadurch den Weideerfolg, während die Dasselfliegen durch die in den "Dasselbeulen" zur Entwicklung kommenden Larven die Häute entwerten und während des dem Weidegang folgenden Frühjahrs das Wohlbefinden und die Leistungen der Tiere empfindlich in Mitleidenschaft ziehen.

Abb. 27

Fohlen und Rinder im Schutzgebüsch. Sommer 1933.

 

Abb. 28

Studenten der Landwirtschaftlichen Hochschule Bonn-Poppelsdorf auf dem Hof der Domäne im Sommer 1933.

Da die Weidetiere gegen beide Peiniger nur durch sommerliche Tagesaufstallung zu schützen sind, wird das Vieh in Rengen im Sommer von 10 bis 17 Uhr ohne Beifütterung in den Weideställen gehalten. Was über Tag im "Grasfressen" versäumt wird, kann in den kühleren Abend-, Nacht- und Morgenstunden nachgeholt werden. Gegen die bei Beginn und Schluß der Weidezeit oft empfindlich kalten Nächte wird durch Nachtaufstallung des Viehs Schutz gewährt. So ergibt sich folgende Weideordnung:
 

  1. Sobald die Fliegen, Bremsen und Dasselfliegen lästig werden, kommt das Weidevieh ohne gar zu ängstliche Bindung an die Stunde von etwa 10-17 Uhr in die Weideställe, während es in der übrigen Zeit draußen ist und nach Belieben fressen, Sonnenbäder nehmen oder das Schutzgebüsch aufsuchen kann.
     
  2. Zur Zeit der kühlen Nächte ist das Vieh von früh bis spät draußen, über Nacht zunächst ohne Beifütterung im Weidestall.
     
  3. Im Winter werden die Tiere spätestens eine Stunde vor Eintritt der Dunkelheit luftig aufgestallt, abends und morgens gefüttert, über Tag wieder auf die Weide geschickt, wo sie je nach Wetter für eine bis zu 6 Stunden verweilen. Bei Schnee und sehr rauhem Wetter wird Bedacht darauf genommen, daß die Tiere durch das Gehöft oder Schutzgebüsch vor zu starker Abkühlung bewahrt bleiben. Gesundheitliche Nachteile hat diese "kühle" Behandlung bisher nicht zur Folge gehabt; das Vieh fühlt sich im Gegenteil recht wohl dabei und freut sich ersichtlich immer wieder auf den Ausgang aus des Stalles Enge.
     
  1. Besonders erfreulich entwickeln sich in Rengen die Dikopshofer Fohlen, nachdem wir aus den trüben Erfahrungen während des ersten und zweiten Weidejahres gelernt hatten. Schon Seite 24 wurde auf rachitische Erkrankung verschiedener Fohlen hingewiesen, die mit 1,5 Jahren 1932 zum erstenmal in Rengen weideten, dabei hervorragend zunahmen, dann über Winter nach Dikopshof zurückkehrten und 1933 zum zweiten Male nach Rengen auf Weide kamen. Unser Schrecken war groß, als 1933 schon nach wenigen Wochen gerade bei den schwersten Fohlen Lähme, Bärentatzigkeit, Gelenkschwellungen u. ä. auftraten. Beim Abwehrkampf ließen wir uns von dem Grundgedanken leiten, daß sich das Weichgewebe der Tiere durch Aufnahme sehr eiweißreichen Weidefutters zu schnell entwickeln kann, während die Knochenentwicklung nicht zu folgen vermag. Diese Vermutung wurde durch wiederholte Untersuchung des Weidefutters auf Mineralstoffzusammensetzung stark gestützt.

 

Abb. 29

Dikopshofer Rinder auf Kulturweide in Rengen. Oktober 1934.

 

Abb. 30

Fohlen auf Behelfsweide. Oktober 1934.

 

Abb. 31

Ochsen auf der Winterweide. 21. November 1934.

Wir fanden z. B. 1933 bei großen Schwankungen im einzelnen folgende Durchschnittswerte: 

Weidegras

In der Trockenmasse % Auf 100 Eiweiß
CaO P2O5 Roheiweiß CaO P2O5
1. Neuanlage, unmittelbar vor der ersten Beweidung
2. Ein Jahr alte Koppel, wiederholt beweidet
3. Behelfsweide*), wiederholt beweidet
4. Junges Gras nach Mentzel und v. Lengerke
1,12
1,09
2,27
0,80
0,50
0,62
0,58
0,70
24,6
18,4
17,9
17,2
4,6
5,9
12,7
4,7
2,0
3,4
3,2
4,1

*) Aufwuchs ganz überwiegend aus Klee bestehend

Auffällig waren die absolut und im Verhältnis zum Eiweißgehalt niedrigen Phosphorsäurewerte des Rengener Weidefutters. Auf Grund dieses Befundes wurde den Fohlen sofort phosphorsaurer Kalk in Verbindung mit etwas phosphorsäurereicher Kleie zugelegt mit dem Erfolg, daß die bereits erkrankten Tiere langsam wieder gesundeten. Wir haben natürlich auch versucht, dem Übel auf der Grundlage reiner Weidefütterung vorzubeugen und zu dem Zwecke:  

a) den Pflanzen durch Erhöhung der P-Gaben und tieferes Einbringen der P-Vorratsdüngung mehr P2O5 eingeflößt,

b) das Verhältnis zwischen P- und N-Ernährung auf den besonders gefährlichen Neuanlagen durch Einsparung von etwas N zugunsten der P zu verschieben gesucht,

c) die Koppelbesetzung so vorgenommen, daß die Tiere bei Besetzung von Neuanlagen mindestens während eines Teils des Tages auf alten Koppeln und Behelfsweide grasen,

d) bei Beweidung von Neuanlagen die Fohlen den Rindern folgen lassen.

Abb. 32

Fohlen  auf der Winterweide in Rengen. 21. November 1934.

 

Abb. 33

Rinder auf der Weide in Rengen. 11. Dezember 1934.

Maßgebend für die Maßnahmen unter c und d war die Überlegung, daß das Verhältnis zwischen P und Eiweiß im Erstaufwuchs von Neuanlagen und in den Spitzen der zarten jungen Weidepflanzen besonders weit zu sein pflegt. Vorsichtshalber wurden den Fohlen einstweilen zur Weide noch 250 g P-reiche Kleie und 20 g Knochenkalk gereicht. Seitdem hat sich die Rachitis vollständig verloren. Das Endziel bleibt aber, wie gesagt, die Fohlen auf der Weide gesund zu erhalten. Die Mineralstoffzusammensetzung des Weidefutters verdient unter diesem Gesichtspunkt um so mehr Beachtung, als sie gerade auf Neuanlagen leicht von der Norm abweicht. Die wirksamste Korrektur bilden geeignete Düngungsmaßnahmen. Allein durch sie konnte nach Ausweis der 1934 in größerer Zahl vorgenommenen Untersuchungen der P-Gehalt und das zwischen ihm und Eiweißgehalt bestehende Verhältnis im Aufwuchs der 1933 und früher angelegten Weiden der Norm stark angenähert werden. Wir lassen uns die weitere Klärung dieses Fragenkomplexes durch Fortsetzung der Weideuntersuchungen und Weidebeobachtungen mit allem Nachdruck angelegen sein und ziehen dabei seit 1934 neben Eiweiß, Kalk und P auch alle übrigen Mineralstoffe mit in die Untersuchung ein. Ihr Verhältnis zueinander unterliegt gewaltigen Schwankungen und steht stark unter dem Zeichen der Düngung. Nach Abrundung unserer Feststellungen soll auf die Angelegenheit zurückgekommen werden.

Soviel kann aber schon heute gesagt werden, daß die Düngung auch im Hinblick auf die Güte des auf Neuland gewonnenen Weidefutters von geradezu entscheidender Bedeutung sein kann. Das in diesem Zusammenhang scharf herauszustellen, erscheint um so mehr geboten, als es gemeinhin viel zu wenig geschieht.

Die Herstellung der betriebsnotwendigen Gebäude, Einzäunungen und Tränken stellte auch in Rengen vor recht vielseitige Aufgaben. Schwierigkeiten ergaben sich dabei besonders aus der Mittelknappheit, der ungünstigen räumlichen Gestaltung des Geländes und dem spärlichen Wasservorkommen. Wie wir über alle Hemmungen und Hindernisse hinweggekommen sind, bleibe im einzelnen unerörtert. Mancherlei Behelfslösungen mußten in Kauf genommen und nicht wenige Wünsche zurückgestellt werden. Wir sind aber wenigstens soweit, daß der Betrieb in seiner heutigen Gestaltung im Sommerhalbjahr 90-100 Stück Vieh reichlich Weide zu bieten, für das Winterhalbjahr Futter für die an Ort und Stelle überwinternden 30-40 Stück Vieh zu liefern und darüber hinaus dem Dikopshof noch ansehnliche Heu- und Kartoffelmengen zur Verfügung zu stellen vermag. Dabei stehen wir keineswegs am Ende, sondern inmitten einer aussichtsvollen Entwicklung, an deren Ende eine glatte Verdoppelung der heutigen Erzeugung stehen muß. Die Wege zum Endziel liegen auch heute noch keineswegs in allen Einzelheiten fest.

Denn bedeutsame Fragen, auf die kein Mensch, kein Buch und kein Bericht sichere Antwort geben können, drängen sich bei der Ausführung immer von neuem auf. Das Heil liegt nicht im Schema, sondern in der fallweisen Anpassung des Vorgehens an die jeweiligen Voraussetzungen. Diese aber wechseln schon im Rahmen der dem Berichterstatter zur Beurbarung anvertrauten 75 ha so stark, daß es eine einheitliche "Patentlösung" selbst für diese kleine Fläche nicht gibt. Erst Erfassung der Voraussetzungen, kritischer Einblick in die Zusammenhänge und vorausschauende Erfassung der aus dem Zusammenwirken von Klima, Boden und Kultur sich ergebenden künftigen Lebenslage der Pflanze gestatten es, heim Vorgehen den "einzig richtigen", das ist der für den vorliegenden Fall beste Weg, mit einiger Sicherheit zu finden.  

Abb. 34

Ochsen auf der Weide. Im Hintergrund Schutzgebüsch, rechts Wirtschaftsgebäude. 11. Dezember 1934.

V. Das Rengener Beispiel in wirtschaftlicher Beleuchtung.

Das Rengener Vorgehen kann natürlich nur dann zur Nachahmung reizen, wenn der Wirtschaftsertrag zur Verzinsung des einmaligen Aufwandes, zur Erhaltung des Betriebes und zur Entlöhnung aller am Unternehmen Beteiligten ausreicht. Zu letzteren gehören neben den im Betrieb beschäftigten Lohnempfängern auch die Lieferanten von Betriebshilfsmitteln, die Steuern heischenden Behörden und nicht zuletzt auch der zur Last auch das ganze Risiko tragende Betriebsunternehmer. Es ist nicht gut, im Geiste Früchte zu pflücken, die erst in der Folge erntereif werden. Deshalb ist Zurückhaltung bei Beurteilung der Betriebslage geboten. Immerhin seien nachfolgend einige genügend gesicherte Feststellungen für solche, die ähnliche Wege wandeln wollen, herausgestellt:  

  1. Technisch ist die Möglichkeit, in den Höhengebieten der Eifel noch ansehnliche Anteile des vorhandenen Ödlands in hochwertige Weide und ertragreichen Acker zu verwandeln, durchaus gegeben. Im Rahmen der von der Reichsregierung eingeleiteten "Erzeugungsschlacht'' von dieser Möglichkeit ausgiebig Gebrauch zu machen, ist vaterländische Pflicht. Das gilt natürlich nicht nur für die Eifel, sondern für alle klimatisch ähnlichen Höhenlagen, die noch über kulturwürdiges Ödland verfügen.
     
  2. Stallmist ist zur Ankurbelung der Urbarmachung durchaus nicht unbedingt erforderlich, da er als Humusbildner durch Gründüngung oder zerstörte Rasennarbe, als Nährstoffträger durch Handelsdünger ersetzt werden kann. Letztere sind übrigens bei der Ödlandkultur auch bei Vorhandensein von Stallmist nicht zu entbehren.
     
  3. Urbarmachung und Weideanlage auf entsprechend vorbereiteten Flächen sind nur die ersten Schritte auf dem dornigen Wege zum Erfolg. Sie müssen durch sorgsame laufende Pflege der fertigen Neuanlagen ergänzt werden, wenn Errungenes nicht wieder verlorengehen soll. Dazu ist auch Stallmist auf die Dauer nicht zu entbehren. Er stellt sich aber als Endwirkung einer zweckentsprechend durchgeführten Urbarmachung bald von selbst ein, weil das beurbarte Ödland schon in wenigen Jahren mehr und besseres Futter liefert, dieses mehr und besseres Vieh zu halten gestattet und damit einer vermehrten und verbesserten Düngererzeugung die Wege ebnet.
     
  4. Die Frage, ob sich der Urbarmachungsaufwand in unserem Falle innerhalb zulässiger Grenzen gehalten hat, läßt sich einstweilen nicht präzis beantworten, weil der Endpunkt noch nicht erreicht ist. Immerhin sind 90 % des überhaupt erforderlichen Gesamtaufwands ausgegeben, während sich der Restbedarf an Hand der bisherigen Erfahrungen mit einiger Sicherheit übersehen läßt. Tun wir es, so kommen wir überschlägig zu folgendem Gestehungsaufwand für 1 ha fertige Kulturweide:
     
    a) Dränung und Vorflutbeschaffung 350,-RM
    b) Gebäudebesatz, Gehöftanlage, Strom- und Wasserzuleitung, Tränken 810,-RM
    c) Urbarnachung und Kultur *) 700,-RM

    Zusammen

    1860,-RM

     *) Gestrüppbeseitigung, Umbruch, Humifizierung, zweimalige Vorrats- und einmalige laufende Düngung und Weideansaat umfassend

    Hätten wir vollständig freie Hand bei der Entwässerung und Bebauung gehabt, so wären unter a) und b) wohl 100 RM ausgespart worden. Auch die Kosten unter c) stellen sich infolge der seit 1931 eingetretenen Preissenkungen für landwirtschaftliche Betriebsmittel heute um etwa 50 RM niedriger als 1931 und 1932. Unter Berücksichtigung dessen kommen wir auf rund 1700,- RM Gesamtkosten für den Hektar fertige Weide. 

Abb. 35

Gehöft Rengen Ende 1934.

  1. Auf diesen Zahlen und den in unseren Händen befindlichen Weideleistungs- und Kulturkostennachweisen stützt sich nachfolgender Einträglichkeitsüberschlag:

    A.  A u s g a b e n   j e   H e k t a r :
     
    a) 5 % Verzinsung-, Tilgung und Instandhaltungskosten von 1700 RM 85,-RM
    b) Gespann- und Arbeitsaufwand 60,-RM
    c) Laufende Düngung 80,-RM
    d) Lasten und Allgemeinkosten 30,-RM

    Zusammen

    255,- RM

    B.  E i n n a h m e n   j e   H e k t a r :
     

    a) 350 kg Weidezuwachs zu 60 RM je Doppelzentner 210,-RM
    b) 15 dz Heu zu 4 RM 60,-RM

    Zusammen

    270,-RM

     

  2. Sicher lassen sich die Einnahmen durch geschickte Ausnutzung aller Weidechancen noch erhöhen. Doch sei angesichts der mit dem Weidebetrieb verbundenen mancherlei Risiken die Lage nicht zu rosig gemalt.
     
  3. Die Aufstellung unter 4 zeigt, daß von den gesamten Weideherstellungskosten rund 60 % auf Entwässerung und Gebäudeherstellung und nur 40 % auf landwirtschaftliche Kulturmaßnahmen im eigentlichen Wortsinn entfallen. Hohe Entwässerungs- und Bebauungskosten bedingen natürlich eine sehr unerwünschte Betriebsvorbelastung, die ganz oder teilweise fortfällt, wenn die Urbarmachung auf nicht oder wenig entwässerungsbedürftiges Ödland beschränkt wird oder wenn die fertigen Flächen Gemeinden oder baulich voll ausgerüsteten Anliegerbetrieben zur Nutzung zugewiesen werden können. Ganz geringwertiges oder ungewöhnlichen Meliorationsaufwand erheischendes Gebirgsödland sollte man erst beurbaren, wenn das bessere Ödland erschöpft und das bereits vorhandene Kulturland durch zweckentsprechende Bodenkultur und Düngung zur vollen Ertragsfähigkeit gebracht ist.
     
  4. Die soziale Nutzwirkung der Urbarmachung wird unter gegebenen Voraussetzungen gesteigert, wenn die künftigen Nutznießer die Hand- und Gespannarbeiten unter Verlegung in arbeitsstille Jahresabschnitte größtenteils selbst verrichten und das zur Ausnutzung des Landzugangs erforderliche Vieh selbst heranziehen können.
     
  5. Daß sich aus Gebirgsödland lebensfähige Bauernsiedlungen herstellen lassen, wenn Melioration und Bebauung nicht zu viel Geld verschlingen, dazu Urbarmachung, Kultur und Ausnutzung unter geschickter Anpassung an die örtlichen Voraussetzungen und unter Ausnutzung aller Verbilligungsmöglichkeiten zweckentsprechend durchgeführt werden, ist nicht zweifelhaft.

 

Luftbild-Blick auf die Domäne Rengen im Jahre 1959 aus östlicher Richtung

Luftbild-Blick auf die Domäne Rengen im Jahre 1959 aus westlicher Richtung